Testbericht: Herrmans H-One S

20. September 2013

Der Herrmans H-One S ist mit rund 40€ recht günstig, die Lux-Angabe mit 75 Lux jedoch ausgesprochen hoch. Auch in diversen Foren gibt es schon einige positive Meinungen zum Herrmans H-One S. Also höchste Zeit für einen Test.


getestete Variante:

Herrmans H-One S Auto

Preis: ca. 40 €
Beleuchtungsstärke: 75 Lux (ohne Rücklicht 95 Lux)
Lichtstärke: 130 Lumen (ohne Rücklicht 150 Lumen)
Funktionen: Schalter, Standlicht, Tagfahrlicht, Sensorfunktion erhältlich

Kaufen bei:

+ neutralweißes statt kaltweißes Licht, dadurch gute Kontrast- und Farbwiedergabe
+ helle und homogene Ausleuchtung
o Licht auf den Fernbereich konzentriert, kaum Licht im Nahbereich
o Tagfahrlicht recht dunkel -> weniger Blendwirkung aber auch schlechtere Sichtbarkeit
─ Standlicht sehr dunkel, zum gesehen werden ok, zum selbst sehen unbrauchbar

Verpackung und Lieferumfang

Der Herrmans H-One S kam als nackter Scheinwerfer. Halterung und Anschlusskabel sind am Scheinwerfer befestigt, aber eine Bedienungsanleitung war nicht dabei. Auch auf der Herstellerseite ist keine zu finden. Allerdings habe ich den Scheinwerfer bereits einige Monate vor Verfassen dieses Testberichtes gekauft. Laut Aussage des deuschen Vertriebsleiters von Herrmans wird der H-One S mittlerweile mit Bedienungsanleitung ausgeliefert. Diese liegt mir als PDF vor und erklärt alles notwendige. Wer den Scheinwerfer jetzt kauft, wird also hoffentlich eine Bedienungsanleitung bekommen. Auch ein zusätzlicher SR Suntour Halter soll übrigens lt. Bedienungsanleitung mittlerweile im Lieferumfang sein.

Verarbeitung und Bedienung

Das Gehäuse des Herrmans H-One S besteht aus Aluminium. Die Halterung aus Stahl sieht robust aus.

Zur Bedienung verfügt der H-One S über einen dreistufigen Schalter. Dieser sieht recht stabil aus und lässt sich sehr gut bedienen. Auch mit Handschuhen dürfte das noch recht gut gehen. Hier könnte sich der ein oder andere Hersteller mal eine Scheibe abschneiden.
Die drei Schalterpositionen sind “aus”, “automatik” und “ein”. In der Automatikstellung regelt der Scheinwerfer über einen Helligkeitssensor, ob der Hauptscheinwerfer ein- oder ausgeschaltet ist. Die beiden Tagfahrlicht-LEDs unterhalb des Hauptscheinwerfers leuchten übrigens immer, unabhängig von der Schalterstellung (dazu später mehr).

Neben dem fest verbundenen Anschlusskabel für den Dynamo besitzt der H-One S vier weitere Anschlusspins. Zwei wie üblich für das Rücklicht (die beiden oberen Kontakte, mit + und – beschriftet). Zwei weitere die als zusätzlicher Eingang vorgesehen sind. Normalerweise wird man diese wohl nicht benutzen, sie wurden nur im Rahmen eines Kundenprojektes hinzugefügt.

Praxiseinsatz

Der Lichtkegel des H-One S ist recht konzentriert. Die Breite im Fernbereich würde ich als normal bezeichnen, Scheinwerfer wie der Luxos oder der Cyo Premium verteilen das Licht deutlich breiter. Insgesamt ist der Lichtkegel sehr gleichmäßig ausgeleuchtet.

Im Nahbereich leuchtet der H-One S nur direkt vor dem Rad vernünftig aus, dann klafft bis zum Hauptlichtkegel eine Lücke mit deutlich schlechterer Ausleuchtung. Allerdings kann man in der Realität dort noch mehr erkennen, als auf dem Foto ersichtlich.
Insgesamt sollte man auf dem Lichtvergleichsfoto oben beachten, dass der H-One S durch die fehlende Nahfeldausleuchtung subjektiv im Vergleich mit anderen Scheinwerfern deutlich schlechter wegkommt. Das liegt aber vor allem daran, dass solche Fotos den Nahbereich stark überbetonen.

Der wohl auffälligste Unterschied des H-One S zu anderen Fahrradlampen ist seine neutralweiße Lichtfarbe. Diese ermöglicht im Gegensatz zu den sonst kaltweißen LEDs eine wesentlich bessere Kontrastwahrnehmung. Ganz besonders wird dieser Unterschied bei Nässe deutlich. Hier spielt der H-One S seine Stärken richtig aus. Warum setzen nicht mehr Hersteller solche LEDs ein?

Tagfahrlicht und Standlicht

Nun zum Tagfahrlicht. Dieses ist deutlich dunkler als bei anderen Scheinwerfern mit Tagfahrlicht. Ich bin hin- und hergerissen ob das nun gut oder schlecht ist. Auf der einen Seite ist die unangenehme Blendwirkung so geringer. Das wird auch dadurch erreicht, dass über den Tagfahrlicht-LEDs eine kleine diffuse Abdeckung ist, die das Licht etwas streut. Auf der anderen Seite fallen die LEDs so deutlich weniger auf. Das ist wohl Geschmackssache, so wie es auch über die Frage “Tagfahrlicht oder nicht” selbst immer wieder für Diskussionen gibt.

Das eigentlich wirklich negative an den wenig hellen Tagfahrlicht-LEDs ist jedoch, dass auch das Standlicht über diese realisiert ist. Hält man nachts an, steht man also sofort im Dunkeln. Das Standlicht reicht zwar aus, um gesehen zu werden, selbst etwas sehen tut man damit jedoch kaum. Dass das Standlicht dafür besonders lange durchhält, ist da nur ein sehr schwacher Trost.
Man sollte sich also überlegen, was man von einem Standlicht erwartet: gesehen werden oder auch selbst sehen? Zweiteres erfüllt der H-One S kaum.

Nun noch ein Wort zum Betrieb des H-One S ohne Rücklicht. Wird der H-One S ohne Rücklicht betrieben, so soll die Beleuchtungsstärke von 75 Lux auf 95 Lux steigen (jeweils bei 25 km/h). Die Helligkeit steigt dann tatsächlich. Nach meiner Empfinden ist der Effekt allerdings recht gering. Für mich ist es daher keine Option, für diese geringe Steigerung auf ein Batterierücklicht umzusteigen.

Zusammenfassung und Fazit

Ich betrachte den H-One S mit gemischten Gefühlen. Die neutralweiße LED ist ein großer Vorteil gegenüber anderen Scheinwerfern. Auf der anderen Seite stört mich das dunkle Standlicht, mit dem man selbst kaum etwas sieht.

Beachten sollte man, dass das Licht auf den Fernbereich konzentriert und nicht übermäßig breit ist. Das mag für jemanden der hauptsächlich zügig und auf guten Straßen fährt optimal sein, da er das Licht hat, wo er es braucht. Bei schlechten Straßen, mit vielen Kurven oder gar Feld- und Waldwegen ist das nicht optimal.

Alternativen wären dann z.B. der Eyc, der das Licht eher auf den Nahbereich konzentriert, der Cyo R mit ausgewogener Balance zwische Fern- und Nahbereich oder aber Cyo Premium und Luxos, die das Licht sehr breit verteilen.

Schalter Sensor Standl. Tagfahrl. Bezugsquellen
H-One S On/off ja nein ja ja Amazon, eBay, Rose
H-One S Auto ja ja ja ja Amazon, eBay

Unterscheidung von der älteren 60 Lux Version

Falls man den H-One S nun kaufen möchte, noch eine Warnung: es gab früher eine Version des H-One S mit 60/80 Lux statt 75/95 Lux. Zusätzlich soll wohl auch der Reflektor eine deutlich schlechtere Lichtverteilung geliefert haben, auch die neutralweiße LED war noch nicht im Einsatz. Das Problem ist, dass sich beide Variante äußerlich nicht unterscheiden. Weiterhin scheinen sich manche Händler selbst nicht im Klaren zu sein, was sie verkaufen…

Zumindest wenn man den Scheinwerfer in den Händen hält, gibt es aber ein eindeutiges Unterscheidungsmerkmal: Die vorn im Scheinwerfer eingeprägte K-Nummer.

  • die alte 60-Lux-Version hat die K-Nummer 685
  • die aktuelle 75-Lux-Version die Nummer 914

Also wenn man die falsche Version erhalten hat, lieber vom Rückgaberecht Gebrauch machen.

weitere Testberichte...

findest du verlinkt auf den Übersichtsseiten: Sowie in der Übersicht zu Tests von Fahrradbeleuchtung.

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Kommentare [9]

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— Jak · 14. April 2016, 06:21 · #

Nachtrag: der H-One ist absolut nicht zu empfehlen.
Stromfresser vom feinsten, ‘One’ steht wirklich für ‘erster Versuch’.

Das Modell »H-Diver« ist spottbillig und um Lichtjahre (!) besser.

— Jak · 14. April 2016, 04:46 · #

Wie versprochen, die Ergebnisse mit DC-DC-Wandler:

- bei 5 V ist der H-One nicht sehr hell, leuchtet im ‘Spar-Betrieb’ und zieht 0,4 Watt
- bei 8 V ist die Leuchtkraft ungefähr im oberen Bereich; insgesamt braucht die Anordnung 4 Watt (0,8 A am 5-V-Pack), wovon 1 W auf den DC-DC-Wandler nebst Regler des Scheinwerfers entfällt und 3 W auf die nominale Leistung der LED
- wahrscheinlich ist die Version ‘E’ (Nennspannung 6 V) für Pedelecs besser geeignet am Betrieb mit Akku (hier: Powerbank 5 V)
- die Behauptung, der H-One-S ginge nur am Nabendynamo, ist falsch; dafür optimiert mag er ja sein

Fazit: der H-One ist anders. Schmal gebündeltes wirklich weißes Licht, mit großer Leuchtweite (auch bei korrekter Einstellung), ohne zu blenden. Dabei ist das Leuchtfeld sehr gleichmäßig hell. Ich glaube, ich werde mich damit anfreunden können.

Bisher hatte ich einen H-Diver, perfekt für die Stadt, der kommt dann an das Stadtrad (ein langweiliges Baumarkt-Ding, das nicht so schnell geklaut wird),

— Jak · 7. April 2016, 16:42 · #

Die Messung von E. Müller ist womöglich gar nicht so falsch. Der H-One hat eine Schaltung, die bei Unterschreiten einer Schwellenspannung die LED in einen Sparmodus schaltet, so dass Flackern vermieden wird, ebenso plötzliches Abdunkeln bei geringer Fahrgeschwindigkeit.

An einem 5-V-‘Powerbank’-Akku betrieben leuchtet die Lampe im Sparmodus und braucht da nur etwa 1/10 Watt. An einem 12-V-Akku leuchtet sie voll, dann wird aber einiges im Regler verbraten. Die optimale Spannung dürfte bei 7 Volt liegen, wobei etwa die Hälfte für die Konstant-Stromregelung ‘drauf geht’ (weiße LED haben meist eine Nennspannung von 3,6 V) — soll man aber nicht mit einem billigen Netzteil ausprobieren, weil da oft alles andere als saubere Gleichspannung geliefert wird.

Zum Vergleich: Der H-Diver funktioniert am 5-V-Akkupack voll und ‘zieht’ dabei etwas über 0,3 Ampère.

Stefan | Fahrradbeleuchtung-Info · 2. September 2015, 19:46 · #

Hallo Maria,

die Bedienungsanleitung gibt es hier zum Download:

http://herrmanspdm.utv.exor.net/_resources/files/BodyPart_d2d7c65a-5220-480d-a935-52eaf36473f6.pdf

— Maria Schüll · 2. September 2015, 15:02 · #

Hallo,
könnten Sie mir vielleicht die Bedienungsanleitung mailen?
Mein Verkäufer meinte er hat keine und jetzt weiß ich nicht, wie ich das ganze anschließen soll.
Vielen Dank im Voraus

— E. Müller · 9. Dezember 2014, 16:47 · #

Meine Messung mit Gleichspannung war wohl eine Fehlmessung. Jedoch in der beiliegenden Gebrauchsanlwitung ist ein Symbol “E-Bike 6V”. Ich weiß inzwischen, dass beim Betrieb an einem Narbendynamo von SHIMANO die Leistungsaufnahme größer ist.
Zurückgegeben habe ich sie, weil ich bei einem sehr unhöflichen Internethändler gekauft habe.

Stefan | Fahrradbeleuchtung-Info.de · 27. November 2014, 11:56 · #

Also der H-One S ist generell nur mit 1 Hochleistungs-LED bestückt. Mag sein, dass die beiden Tagfahrlicht-LEDs unten im ein oder anderen Werbetext auch als Hochleistungs-LEDs bezeichnet werden, aber das sind sie sicher nicht.

Wie hast du denn die 0,84 W bei 6 V gemessen? Mit Batterie / Gleichstrom? Der H-One S ist nicht für Gleichstrom ausgelegt und auf die Leistung bei Betrieb an einem Dynamo lassen sich daraus keine Rückschlüsse ziehen.

— E. Müller · 27. November 2014, 08:54 · #

Ich habe im November 14 eine über eBay gekauft. K-Nr.: K914, Angabe auf der Lampe 6V 2,4W.
Allerdings nur mit 1 Hochleistungs-LED bestückt und Leistungsaufnahme bei 6V 0,84W.
Damit sind gewiss keine 130 – 150 Lumen zu erreichen.
Ich werde sie zurück geben.

— Geipel Mathieu · 23. September 2014, 21:33 · #

moin moin,
wären Sie so freundlich und würden mir die pdf betriebsanleitung des herrmanns h one zusenden? die internetseite des herstellers ist leider down und ich habe in ihrem artikel gelesen, dass sie eine anleitung finden konnten.
ich würde mich sehr freuen,

grüße