Vorschriften für Fahrradbeleuchtung nach StVZO (neu ab 2017)

26. März 2019

Sobald ein Fahrrad in Deutschland im öffentlichen Straßenverkehr bewegt wird, muss dieses eine Reihe gesetzlicher Vorgaben erfüllen. Insbesondere auch die sogenannten „Lichttechnischen Einrichtungen“, wozu sowohl aktive Leuchten wie Front- und Rücklicht zählen, als auch Rückstrahler. Dieser Artikel gibt einen Überblick, welche lichttechnischen Einrichtungen am Fahrrad anzubringen sind.

Bitte beachten: Dieser Artikel stellt keine Rechtsberatung dar. Er sollte zwar die wesentlichen gesetzlichen Regelungen zusammenfassen und wurde gründlich recherchiert. Weder ist er aber notwendigerweise vollständig noch kann eine Garantie für Richtigkeit übernommen werden.

Auf Zulassung achten!

Alle Elemente der Fahrradbeleuchtung müssen eine ganze Reihe von technischen Anforderungen erfüllen. Diese werden von Kraftfahrtbundesamt geprüft und die entsprechenden Produkte erhalten eine Zulassungsnummer in der Form ~~~ K 12345. Alle hier beschriebenen Komponenten einer Fahrradbeleuchtung benötigen so eine Zulassungsnummer. Wird ein Produkt mit “StVZO-zugelassen” beworben, kann man davon ausgehen, dass es auch eine entsprechende Prüfnummer hat.

Manch einer mag das als Gängelung empfinden und denken „Hauptsache eine Lampe“. Bei genauerer Betrachtung steckt dahinter aber schon ein gewisser Sinn. Beispielsweise gibt es eine ganze Reihe von Fahrradlampen, die bauartbedingt den Gegenverkehr blenden. Das mag bei Offroad-Touren praktisch sein, um auch tiefhängende Äste auszuleuchten. Im Straßenverkehr kann kann so etwas aber gefährlich werden.

Was gehört zu einer vorschriftsgemäßen Fahrradbeleuchtung?

Die entsprechenden Vorschriften sind für Deutschland in der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO) § 67 festgelegt.

Diese Grafik gibt schonmal einen kleinen Überblick, was zu einer vorschriftsgemäßen Fahrradbeleuchtung gehört. Weiter unten folgen dann weitere Erklärungen.

Fahrradbeleuchtung Vorschrift StVZO

Energiequelle: Dynamo, Akku oder Batterie

Früher waren ausschließlich Dynamos für den Betrieb von Fahrradlampen zugelassen und batteriebetriebene Lampen nicht erlaubt. Das hat sich glücklicherweise geändert – zu Recht – denn mit Akkus oder Batterien betriebene Fahrradlampen sind heutzutage sehr gut und zuverlässig und eine echte Alternative. Aber auch Dynamos – heute normalerweise ausgeführt als leichtgängiger Nabendynamo und nicht mehr wie früher als Seitenläuferdynamo – haben noch ihre Daseinsberechtigung. Dass man sich nie um geladene Akkus kümmern muss und bei Bedarf immer unbegrenzt Licht zur Verfügung hat, hat auch seine Vorteile.

Erlaubt ist übrigens auch eine Kombination verschiedener Energiequellen.

Erwähnenswert ist noch folgender Teil des § 67 StVZO:
Schlussleuchte und Scheinwerfer dürfen nur gemeinsam einzuschalten sein, wenn sie mit Hilfe einer Lichtmaschine betrieben werden. Bei eingeschalteter Standlichtfunktion darf auch die Schlussleuchte allein leuchten.

(Anmerkung: Lichtmaschine ist gleichbedeutend mit Dynamo)

Der Sinn dahinter ist wohl, dass man das Einschalten des Rücklichtes leicht vergisst, da man es als Fahrer nicht sieht. Zwar gilt das auch bei der Verwendung von Akkus, hier ist es aber nicht vorgeschrieben, wohl weil es prinzipbedingt bei den in der Regel verwendeten akkubetriebenen Anstecklichtern schwer umsetzbar ist. Bei Dynamoscheinwerfern dagegen ist auch ein Anschluss für das Rücklicht vorhanden. Das Rücklicht wird dann nicht direkt an den Dynamo angeschlossen, sondern an den Frontschweinwerfer. Dieser schaltet dann das Rücklicht automatisch mit ein, wenn er eingeschaltet wird.

Frontscheinwerfer

§ 67 Abs. (3) StVZO beinhaltet unter anderem folgenden Satz:
Fahrräder müssen mit einem oder zwei nach vorn wirkenden Scheinwerfern für weißes Abblendlicht ausgerüstet sein. Der Scheinwerfer muss so eingestellt sein, dass er andere Verkehrsteilnehmer nicht blendet.

Sprich, es muss mindestens ein Frontscheinwerfer mit weißem Licht vorhanden sein, es darf aber zusätzlich auch ein zweiter vorhanden sein. Eine Kombination aus Dynamo-Scheinwerfer und Akkuscheinwerfer oder die Verwendung von zwei Akkuscheinwerfern ist also explizit erlaubt, wenn man dies möchte.

Auch das Wort Abblendlicht ist wichtig: Fahrradscheinwerfer müssen so beschaffen sein, dass sie das Licht nicht nach oben abstrahlen, was zu einer Blendung entgegenkommender Verkehrsteilnehmer führen würde. Ist es ein im Straßenverkehr zugelassener Fahrradscheinwerfer, ist dies automatisch sichergestellt. Aber natürlich muss der Fahrradscheinwerfer auch so eingestellt sein, dass er andere Verkehrsteilnehmer nicht blendet. Ist der Scheinwerfer zu hoch eingestellt, nützt das beste Abblendlicht nichts.

Zu beachten ist übrigens auch noch folgendes:
Blinkende Scheinwerfer sind unzulässig.

Neu ist auch folgende Regelung:
Scheinwerfer dürfen zusätzlich mit Tagfahrlicht- und Fernlichtfunktion für weißes Licht [...] ausgerüstet sein.
Mittlerweile sind viele Fahrradscheinwerfer mit einem Tagfahrlicht ausgestattet. Auch wenn dieses früher wohl nicht explizit verboten war, so ist es doch in der aktuellen StVZO explizit erlaubt. Auch interessant ist die nun erlaubte Fernlichtfunktion. Dabei kann das Abblendlicht bei Bedarf deaktiviert und eine besonders weite Ausleuchtung realisiert werden. Diese Funktion – so vorhanden – sollte aber natürlich nur verwendet werden, wenn kein Gegenverkehr zu erwarten ist.

Mitführ- und Anbringpflicht?

Während Dynamobeleuchtung in der Regel fest montiert ist, sind Akkuscheinwerfer meist abnehmbar. Eine Streitfrage war daher immer, ob diese grundsätzlich beim Fahren angebracht sein müssen und in früheren Fassungen des § 67 StVZO war das genaugenmommen der Fall.

Nun lautet es hier aber:
Scheinwerfer, Leuchten und deren Energiequelle dürfen abnehmbar sein, müssen jedoch während der Dämmerung, bei Dunkelheit oder wenn die Sichtverhältnisse es sonst erfordern, angebracht werden.

Fahrradlampen müssen also nur angebracht werden, wenn dies aufgrund der Sichtverhältnisse notwendig ist. Auch von einer Mitführpflicht ist hier keine Rede. Im Prinzip können die Akkulampen demnach tagsüber zu Hause bleiben. In der Praxis ist es aber vielleicht doch besser, sie dabei zu haben, wenn man nicht ausschließen kann, dass die Tour vielleicht doch etwas länger dauert.

Angebracht sein muss der Frontscheinwerfer in einer Höhe zwischen 40 und 120 cm. Die untere Grenze dürfte vor allem für Liegeräder relevant sein. Für normale Fahrräder liegt eine übliche Anbringung an Gabel oder Lenker auf alle Fälle innerhalb dieser Grenzen.

Frontrückstrahler

Nach vorn muss außerdem mindestens ein weißer Frontrückstrahler angebracht sein (mehrere sind zulässig). Bei vielen Dynamoscheinwerfern ist dieser bereits integriert. Wenn nicht oder bei den meisten Akkuscheinwerfern ist jedoch ein separater Frontrückstrahler zu montieren. Die zugelassene Montagehöhe beträgt zwischen 40 und 120 cm.

Rücklicht

Vorgeschrieben ist mindestens ein rotes Rücklicht. Auch dieses kann als Dynamo-Rücklicht oder Akku-Rücklicht ausgeführt sein. Das Rücklicht ist in einer Höhe zwischen 25 und 120 cm zu montieren.

Auch mit einer Bremslichtfunktion dürfen Fahrrad-Rücklichter nun explizit ausgerüstet sein:
Schlussleuchten dürfen zusätzlich mit einer Bremslichtfunktion [...] ausgerüstet sein.

Und wichtig auch hier wieder:
Blinkende Schlussleuchten sind unzulässig.

Heck-Rückstrahler

Hinten muss mindestens ein roter Rückstrahler montiert werden. Und zwar muss es sich um einen Rückstrahler der Kategorie „Z“ handeln. An diese werden bestimmte Anforderungen gestellt und sie sind an einem aufgeprägten „Z“ erkennbar. Weitere Rückstrahler sind erlaubt. Der früher vorgeschriebene zweite Rückstrahler ist nicht mehr notwendig.

Oft ist ein Z-Rückstrahler bereits in das Rücklicht integriert. Vor allem bei Dynamorücklichtern ist dies oft der Fall.

Der Rückstrahler muss in einer Höhe zwischen 25 und 120 cm montiert werden.

Speichenrückstrahler

Vorgeschrieben sind mindestens zwei um 180° versetzte gelbe Speichenrückstrahler an jedem Rad. Werden mehr verwendet, müssen diese gleichmäßig verteilt werden.

Stattdessen oder zusätzlich können aber auch weiße umlaufende Streifen an beiden Reifen, Felgen oder in den Speichen verwendet werden. Einige Reifen besitzen beispielsweise bereits einen entsprechenden Reflexstreifen, den ich den klassischen Speichenreflektoren (verliert man leicht) jederzeit vorziehe.

Eine dritte erlaubte Möglichkeit sind weiß reflektierende Speichen oder reflektierende Speichenhülsen an jeder Speiche.

Übrigens sind weitere gelbe Rückstrahler die zur Seite wirken explizit erlaubt.

Pedalrückstrahler

An jeder Pedale muss ein gelber Rückstrahler nach vorn und hinten angebracht sein.

Blinker („Fahrtrichtungsanzeiger“)

Blinker, oder auf Amtsdeutsch „Fahrtrichtungsanzeiger“ sind übrigens jetzt unter bestimmten Voraussetzungen erlaubt:
Nach vorne und nach hinten wirkende Fahrtrichtungsanzeiger [...] sind nur bei mehrspurigen Fahrrädern oder solchen mit einem Aufbau, der Handzeichen des Fahrers ganz oder teilweise verdeckt, zulässig.

Bei normalen Fahrrädern sind Blinker also weiterhin nicht erlaubt.

Fahrradbeleuchtung an Anhängern

Mit dem § 67a StVZO wurden nun auch Lichttechnische Einrichtungen an Fahrradanhängern gesetzlich geregelt.

Dieses Bild zeigt die vorgeschriebenen Teile der Beleuchtungseinrichtung von Anhängern:

Fahrradanhänger Beleuchtung Vorschriften StVZO

Heckrückstrahler

Zwei rote Z-Rückstrahler mit einem Abstand von höchstens 20 cm zur Außenkante sind vorgeschrieben.

Frontrückstrahler

Zwei weiße Frontrückstrahler sind nur bei einer Anhängerbreite über 60 cm vorgeschrieben. Auch hier beträgt der maximal zulässige Abstand zur Außenkante 20 cm.

Rücklicht

Ein Rücklicht ist auf der linken Seite anzubringen, wenn der Anhänger breiter als 60 cm ist oder wenn das Rücklicht des Fahrrades verdeckt ist (was außer bei sehr niedrigen Anhängern meist der Fall sein dürfte).
Ein weiteres Rücklicht auf der rechten Seite ist erlaubt, aber nicht vorgeschrieben.

Frontscheinwerfer

Bei Anhängern über 100 cm Breite ist auch ein Frontscheinwerfer vorgeschrieben, der auf der linken Seite anzubringen ist. Bei schmaleren Anhängern ist ein Frontscheinwerfer auch erlaubt, aber nicht vorgeschrieben.

Speichenrückstrahler

Hier ist die Regelung ähnlich wie beim Fahrrad selbst, es gibt drei Möglichkeiten:

1. Mindestens zwei um 180° versetzte gelbe Speichenrückstrahler an jedem Rad.

2. Weiße umlaufende Streifen an beiden Reifen, Felgen oder in den Speichen verwendet werden.

3. Weiß reflektierende Speichen oder reflektierende Speichenhülsen an jeder Speiche.


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Kommentare [1]

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— Stefan · 20. August 2019, 12:46 · #

Vielen Dank für die tolle Zusammenfassung. Sie hat mir sehr geholfen!