Arten von Fahrraddynamos und ihre Vor- und Nachteile

23. Oktober 2012

Fahrradbeleuchtung benötigt eine Stromquelle. Wenn man nicht auf Akkus oder Batterien zurückgreifen möchte, nutzt man einen Fahrraddynamo. Damit gerät man nie in die Situation, plötzlich im Dunkeln zu stehen, denn ein Fahrraddynamo liefert Strom, solange man sich bewegt.

Das grundsätzliche Funktionsprinzip haben alle Fahrraddynamos gemein: ein Magnet rotiert in einer Spule im Inneren des Fahrraddynamos und erzeugt so einen elektrischen Strom. Auch die elektrischen Werte unterscheiden sich meist nicht. Fast alle Fahrraddynamos (bis auf wenige Spezialtypen) liefern eine Wechselspannung von 6 V und einen Strom von 0,5 A – demzufolge also eine Leistung von 3 W.

Trotzdem gibt es unter den verschiedenen Typen von Fahrraddynamos große Unterschiede. Welche Arten von Fahrraddynamos gibt es, und welche Vor- und Nachteile haben sie jeweils?

Seitenläuferdynamo

Der Seitenläuferdynamo war lange Zeit der verbreitetste Fahrraddynamo. Ein Seitenläuferdynamo wird durch eine Rolle angetrieben, die am Fahrradreifen anliegt. Der rotierende Reifen treibt also direkt den Dynamo an.

Der Vorteil: Ein Seitenläuferdynamo ist sehr einfach nachträglich zu montieren. Außerdem ist er sehr billig. Auch das relativ geringe Gewicht ist nicht zu verachten. Ein weiterer Vorteil: ein Seitenläuferdynamo lässt sich mit einem Handgriff vom Reifen entkoppelt und dreht sich dann nicht mehr – entsprechend fallen dann auch keine Verluste mehr an und das Rad wird nicht mehr durch den Fahrraddynamo gebremst.

Die Nachteile von Seitenläuferdynamos sind allerdings auch gravierend. Die Kraftübertragung vom Reifen auf die Rolle des Dynamos funktioniert nur mäßig gut. Erstens fallen dabei massig Verluste an – man muss also viel Kraft beim Treten aufwenden um relativ wenig elektrische Energie zu erzeugen. Zweitens ist Nässe oder gar Schnee extrem ungünstig für einen Seitenläuferdynamo. Die Kraftübertragung funktioniert dann oft überhaupt nicht mehr, der Fahrraddynamo dreht sich nicht mehr und man steht plötzlich ohne Fahrradbeleuchtung da.

Typen die dem Seitenläuferdynamo sehr ähneln, sind der Rollendynamo und der Felgendynamo. Der Rollendynamo läuft auf der Reifenoberfläche statt an der Reifenflanke. Der Felgendynamo läuft an der Felge statt am Reifen. Beide Typen spielen aber eine eher untergeordnete Rolle, weshalb hier nicht näher darauf eingegangen werden soll.

Speichendynamo

Ein Speichendynamo wird neben der Radnabe angebracht. Ein Mitnehmer kann heruntergeklappt werden. Dieser befindet sich dann zwischen den Speichen, so dass der Speichendynamo mitgedreht wird. Die Kraft wird dann von einem Zahnriemen auf den eigentlichen Dynamo übertragen.

Der Speichendynamo weist wie der Seitenläuferdynamo den Vorteil auf, dass er komplett vom Antrieb entkoppelbar ist, also bei Nichtbenutzung keine Verluste verursacht. Außerdem hat der Speichendynamo gegenüber dem Seitenläuferdynamo den Vorteil, dass ein Durchrutschen bei Nässe nicht vorkommen kann. Dafür ist der Speichendynamo etwas teurer. Das Nachrüsten ist problemlos möglich.

Durch die Übertragung mit einem Zahnriemen ist der Wirkungsgrad eines Speichendynamos aber ebenfalls relativ schlecht.

Speichendynamos fristen heute ein Nischendasein. Firmen die sie noch herstellen sind mir nicht bekannt. Höchstens gebraucht kann man noch fündig werden.

Nabendynamo

Nabendynamos setzen sich immer mehr durch, nicht ohne Grund. Ihr Wirkungsgrad ist sehr gut und sie sind absolut zuverlässig. Ob die Fahrradbeleuchtung ein- oder ausgeschaltet ist, wird man in einem größeren Widerstand nicht bemerken. Dieser ist maximal mess-, aber nicht spürbar.

Auch Nachteile haben Nabendynamos gegenüber Seitenläufer- und Speichendynamos aber. Sie sind in der Regel etwas teurer (günstige Exemplare sind ab 20 € zu haben, wirklich gute Nabendynamos liegen preislich bei etwa 50 bis 80 €, Topexemplare bei ca. 200 €). Noch schwerwiegender ist, dass das Nachrüsten eines Nabendynamos recht kompliziert ist. Dazu muss das komplette Laufrad neu eingespeicht werden. Meist ist es da günstiger, ein fertiges Laufrad mit Nabendynamo zu kaufen.

Am Gewicht von Nabendynamos hat sich mittlerweile zum Glück einiges getan. Nur sehr günstige Exemplare sind noch wesentlich schwerer als ein Seitenläuferdynamo. Bei besseren Modellen hält sich das Mehrgewicht in Grenzen.

Auch, dass sich ein Nabendynamo bei Nichtgebrauch nicht abkoppeln lässt und so immer kleine Verluste verursacht, ist ein kleiner Nachteil. Überschätzt werden sollte das jedoch nicht. Bei heutigen Nabendynamos liegen diese Leerlaufverluste im Bereich weniger Watt. Wenn man bedenkt, dass selbst ein gemütlicher Fahrer bereits um die 100 Watt auf die Pedale bringt, und auch Naben ohne Dynamo geringe Verluste verursachen, fällt das kaum ins Gewicht. Wer damit trotzdem nicht leben kann, der kann aber auch auf spezielle Nabendynamos wie den Infinity 8 zurückgreifen, die sich mechanisch abkoppeln lassen.

Zusammenfassung

Hier die wichtigsten Vor- und Nachteile der einzelnen Fahrraddynamotypen noch einmal in der Übersicht:

Seitenläuferdynamo Speichendynamo Nabendynamo
Wirkungsgrad schlecht schlecht mittel – sehr gut
Zuverlässigkeit schelcht gut sehr gut
Nachrüstbarkeit einfach einfach schwieriger
Preis günstig mittel teurer

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