Testbericht: Sigma Sport BC 9.16 Fahrradcomputer

15. September 2021


Sigma Sport BC 9.16

Kategorie: Fahrradcomputer

Übertragung kabelgebunden
Funktionen Geschwindigkeit, Tagesstrecke und -fahrzeit, Gesamtstrecke und -fahrzeit, Durchschnitts- und Maximalgeschwindigkeit, Geschwindigkeitsvergleich, Uhrzeit, Kalorienverbrauch Tour und gesamt

Bezugsquellen:

Andere Varianten:


BC 9.16 ATS Amazon*, eBay*, Rose* (mit Funkübertragung)

Vorteile:
+ Gut ablesbar und gut bedienbar
+ ausreichend viele Messwerte, ohne mit zu vielen Informationen zu verwirren

Nachteile
Kein Datenerhalt bei Batteriewechsel und keine Warnung bei leerer Batterie
Einstellungstaste auf Rückseite sehr klein und schlecht bedienbar (wird aber nur für erste Einstellungen benötigt)
keine Hintergrundbeleuchtung, daher nachts nicht einsetzbar
Speichenmagnet wirkt etwas fragil (ist aber leicht montierbar)
Halterung etwas schwergängig, hält den Fahrradcomputer aber gut fest

Fazit
Der Sigma Sport BC 9.16 ist ein einfacher Fahrradcomputer, der aber alle wirklich wichtigen Messwerte bietet. Durch den Verzicht auf weitere Werte und Features ist er günstig und leicht zu bedienen. Einige klare Schwächen muss man aber auch in Kauf nehmen: die Gesamtwerte und Einstellungen gehen bei Batteriewechsel verloren, eine Batteriewarnung gibt es auch nicht. Und nachts sind die Werte mangels Hintergrundbeleuchtung nicht ablesbar.

Transparenzhinweis: Den Sigma Sport BC 9.16 habe ich für den Test gekauft und selbst bezahlt.

Verpackung und Lieferumfang

Der Sigma Sport BC 9.16 wird mit eingelegter Batterie (CR 2032) geliefert. Dabei ist die Halterung mit verkabeltem Radsensor. Zwei Unterlegstücke können bei Bedarf unter den Radsensor gelegt werden, um den Abstand zu regulieren. Zwei Gummiringe zur Befestigung von Halterung und Sensor sind auch dabei. Außerdem ein Speichenmagnet und eine mehrsprachige Bedienungsanleitung.

Aussehen und Montage

Der BC 9.16 hat unten eine Taste zum Durchschalten der Funktionen. An der Rückseite befindet sich eine kleine Taste zum Aufrufen des Einstellungsmenüs.

Die Halterung des Sigma Sport BC 9.16 kann am Lenker oder Vorbau montiert werden. Für die Montage am Vorbau wird die Unterseite abgeschraubt und um 90° verdreht angebracht. An der Unterseite der Halterung befindet sich ein Klebepad, um sicheren Halt zu gewährleisten. Zusätzlich wird sie mit einem Gummiring befestigt. Alternativ kann man auch Kabelbinder verwenden (diese sind aber nicht im Lieferumfang).

Das Kabel mit dem Sensor muss dann nach unten zur Gabel geführt werden. Dazu wickelt man das Kabel am besten um den Bremsschlauch und führt es mit diesem nach unten. Der Sensor wird dann ebenfalls mit einem Gummiring an der Gabel befestigt. Da der Abstand zum Speichenmagnet nicht zu groß sein darf, sind zusätzlich zwei Abstandhalter dabei, die man bei Bedarf unter den Sensor legen kann, um den Abstand zu verringern.

Dann wird noch der Speichenmagnet an einer Speiche befestigt. Dieser lässt sich neuerdings besonders leicht montieren, indem die hintere Abdeckung von hinten aufgeklappt wird und hinter der Speiche geschlossen. Ehrlich gesagt bin ich mit diesem nicht ganz glücklich. Die Befestigung der älteren Speichenmagneten von Sigma Sport war zwar immer etwas schwierig, dafür waren sie aber quasi unzerstörbar und haben perfekt gehalten. Ob der neue Magnet da mithalten kann, wage ich zu bezweifeln. Bisher gab es aber keine Probleme.

Der Fahrradcomputer wird dann mit einer leichten Drehung in der Halterung befestigt. Allerdings ist das Befestigen des Fahrradcomputers in die Halterung für meinen Geschmack etwas schwergängig. Das ging bei früheren Halterungen einfacher. Allerdings gab es da auch immer mal wieder Beschwerden, dass der Fahrradcomputer sich aus der Halterung löst. Das Problem wurde jetzt scheinbar behoben, mit dem beschriebenen Nachteil.

Praxiseinsatz

In diesem Abschnitt beschreibe ich jetzt, was mir bei der Benutzung des Sigma Sport BC 9.16 besonders aufgefallen ist.

Display und Bedienung während der Fahrt

Das Display des BC 9.16 zeigt oben die Geschwindigkeit an. Unten wird ein weiterer Messwert angezeigt. Es können Tourstrecke, Fahrzeit, Durchschnittsgeschwindigkeit, Höchstgeschwindigkeit, Kalorien, Uhrzeit, Gesamtstrecke, Gesamtfahrzeit und Gesamtkalorien angezeigt werden. Diese Werte werden mit der Taste einfach durchgeschaltet. In der Mitte wird der jeweils gewählte Wert im Klartext angezeigt (Strecke, Fahrzeit, Max. Geschw usw.).
Die drei Gesamtwerte werden während der Fahrt übrigens ausgeblendet, so dass sich die Gesamtzahl der wählbaren Werte dann reduziert und die Bedienung damit vereinfacht.

Das Display ist ausreichend aber nicht übermäßig groß (27 × 35 mm) und gut ablesbar. Interessanterweise sind die unteren Werte sogar etwas besser ablesbar als beim teureren BC 16.16, da die Zahlen bei diesem mit Einheit dahinter angezeigt werden, was Platz kostet und die Zahlen etwas schmaler macht.

Einstellungen

Das Einstellungsmenü wird mit einem langen Druck auf die kleine Taste an der Rückseite geöffnet. Das ist nicht übermäßig komfortabel, geht aber mit dem Fingernagel einigermaßen. Da man die Einstellungen nicht allzu oft vornehmen muss, finde ich das auch verschmerzbar.

Folgende Einstellungen lassen sich vornehmen:

  • Sprache (Deutsch, Französisch, Italienisch, Spanisch, Holländisch, Polnisch, Englisch), dies betrifft die Anzeige im Menü sowie die Volltextanzeige der einzelnen Funktionen
  • verwendete Einheit km/h – mp/h
  • Radumfang (vorgegebene Werte für 16, 18, 20, 22, 24, 26, 27, 27.5 , 28, 29 Zoll und 700C oder freie Eingabe in mm)
  • Uhrzeit
  • Gesamtwerte für Strecke, Fahrzeit und Kalorien

Kalorienverbrauch

Der Kalorienverbrauch einer Tätigkeit kann auf verschiedenste Arten gemessen werden. Fahrradcomputer können den Kalorienverbrauch immer nur indirekt abschätzen, je nach Art der Abschätzung mit mehr oder weniger großen Ungenauigkeiten.
Am besten ist die Abschätzung über die Messung der Kraft die man auf die Pedale bringt. Das ist aber wenig verbreitet, da dafür spezielle und extrem teure Kurbeln benötigt werden. Eine weitere Möglichkeit ist die Abschätzung über die Herzfrequenz und Eingabe weiterer Parameter wie Fahrergewicht und -alter.

Der BC 9.16 verwendet eine noch einfachere Methode: er nimmt einfach je nach Geschwindigkeit einen konstanten Energieverbrauch pro Zeiteinheit an. Diese Methode ist im Prinzip ganz brauchbar, weist aber einige starke Limitationen auf:

  • der Einfluss von Steigungen wird nicht berücksichtigt, ist also quasi nur im Flachland brauchbar
  • Windeinflüsse bleiben ebenfalls unberücksichtigt
  • Parameter wie Veränderungen des Luftwiderstandes wegen anderer Sitzposition, Fahrergröße etc. und Rad- und Fahrergewicht bleiben ebenfalls unberücksichtigt

Wenn man die Limitationen kennt, ist der Wert allerdings trotzdem ganz brauchbar. Bei relevanten Steigungen und starkem Wind kann man den Wert natürlich komplett vergessen. Auch sonst sollte man im Hinterkopf behalten, dass man hier nur den Kalorienverbrauch für einen Durchschnittsfahrer mit Durchschnittsrad angezeigt bekommt. Aber da man selbst und das eigene Rad ja immer ungefähr gleich bleiben, kann man zumindest für sich einiges aus den gemessenen Werten entnehmen (nicht aber diese mit anderen Fahrern vergleichen). Um schneller zu fahren muss man nämlich ungleich mehr Energie aufwenden. Fährt man beispielsweise 30 min mit 15 km/h und weitere 30 min mit 25 km/h erreicht man eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 20 km/h. Man muss aber deutlich mehr Energie verbrennen, als bei einer gleichmäßigen Fahrt mit 20 km/h. Und genau das berücksichtigt die Kalorienanzeige des BC 9.16. Man hat also gewissermaßen eine Einschätzung, wie sportlich man eine gegebene Strecke gefahren ist, eine bessere Einschätzung, als die bloße Angabe der Durchschnittsgeschwindigkeit. Oder wenn man jeden Tag ein gewisses Maß an sportlicher Aktivität absolvieren will, ist es auch sinnvoller zu sagen, ich fahre bis x Kalorien angezeigt werden, statt sich einfach eine feste Strecke vorzunehmen (mit der Einschränkung wie oben schon geschrieben, dass man das Ganze bei relevantem Wind und Steigungen vergessen kann).

Alles in allem fand ich die Anzeige des Kalorienverbrauchs überraschend interessant. Sicher ist das nicht die wichtigste Funktion eines Fahrradcomputers. Aber ich fand sie jedenfalls deutlich interessanter, als beispielsweise die Anzeige des eingesparten Benzinverbrauchs, den man bei einigen Fahrradcomputern mittlerweile findet.

Was mir noch aufgefallen ist: die Zählung der Gesamtkalorien (es wird sowohl der Tourwert gespeichert, den man durch langen Druck auf die Taste zurücksetzt, als auch der Gesamtwert), ist auf 99.999 kcal beschränkt. Rechnet man mal mit 10 kcal pro Kilometer (was einer halbwegs gemütlichen Fahrweise entspricht), ist das nach 10.000 km erreicht. Bei eher sportlicher Fahrweise auch deutlich eher. Das sind Werte, die man als regelmäßiger Fahrer durchaus in absehbarer Zeit überschreitet. Der Gesamtwert springt dann einfach wieder auf 0, was etwas unschön ist. Bei Gesamtkilometern und -fahrzeit dürften die Maximalwerte (99.999 km und 9999 h) dagegen für die meisten keine Einschränkung bedeuten.

Der Zusammenhang zwischen aktueller Geschwindigkeit und Kalorienverbrauch ist im BC 9.16 fest einprogrammiert. Je nach Geschwindigkeit wird die Kalorienanzeige unterschiedlich schnell erhöht. Da Sigma Sport den Zusammenhang nirgendwo angibt, habe ich ihn mal näherungsweise gemessen. Die Werte findet ihr in der Tabelle unten bzw. graphisch dargestellt im Diagramm.

Geschwindigkeit Kalorienverrbauch
km/h kcal/h kcal/km
5 26 5,2
10 68 6,8
15 133 8,9
20 240 12,0
25 411 16,4
30 617 20,6

Zusammenhang Geschwindigkeit - Kalorienverbrauch beim Sigma Sport BC 9.16

Jetzt habe ich sehr viele Worte über den Kalorienverbrauch verloren, obwohl das vielleicht die verzichtbarste Funktion des BC 9.16 ist. Kann man darauf verzichten, ist sicher der BC 7.16 eine Option. Er ist identisch zum BC 9.16, allerdings fehlt die Kalorienanzeige, die Maximalgeschwindigkeit und der Geschwindigkeitsvergleich (Pfeil nach oben/unten, wenn man aktuell schneller/langsamer als die Durchschnittsgeschwindigkeit fährt).

Sigma Sport BC 7.16: Amazon*, eBay*, Rose* (wie BC 9.16, aber ohne Kalorienanzeige, Maximalgeschwindigkeit und Geschwindigkeitsvergleich)

Beleuchtung

Der BC 9.16 hat keine Hintergrundbeleuchtung. Das erwähne ich an dieser Stelle, weil das den Fahrradcomputer quasi unbrauchbar macht, sobald man im Dunkeln fährt. Wenn man aber ohnehin meist im Hellen fährt und auf ein Ablesen im Dunkeln verzichten kann, ist das nicht relevant.

Datenerhalt bei Batteriewechsel

Wechselt man die Batterie beim BC 9.16, gehen leider alle Daten verloren. Das betrifft sowohl die Gesamtwerte für Strecke, Fahrzeit und Kalorien, als die Einstellungen für Radumfang und die Uhrzeit.

Zwar lassen sich diese Werte relativ leicht neu einstellen, allerdings muss man die Gesamtwerte vorher notieren, wenn man sie nach dem Wechsel wieder auf die alten Werte stellen will. Dummerweise hat der BC 9.16 aber auch keine Warnung vor fast leerer Batterie. Und so kann es leicht passieren, dass man die Gesamtwerte verliert, weil irgendwann die Batterie leer ist. Wem seine Gesamtwerte wichtig sind, dem kann man daher vom BC 9.16 eher abraten. Hier ist der etwas teurere BC 16.16 besser geeignet.

Fazit

Der Sigma Sport BC 9.16 ist ein einfacher Fahrradcomputer, der aber alle wirklich wichtigen Messwerte bietet. Durch den Verzicht auf weitere Werte und Features ist er günstig und leicht zu bedienen. Einige klare Schwächen muss man aber auch in Kauf nehmen: die Gesamtwerte und Einstellungen gehen bei Batteriewechsel verloren, eine Batteriewarnung gibt es auch nicht. Und nachts sind die Werte mangels Hintergrundbeleuchtung nicht ablesbar.

Außerdem ist der BC 9.16 auch als Funkversion erhältlich.

BC 9.16 ATS Amazon*, eBay*, Rose* (mit Funkübertragung)

Weitere Artikel:
Test Dynamoscheinwerfer
Test-Übersicht Dynamo-Scheinwerfer

Ein Überblick über die von mir getesteten Dynamoscheinerfer.
Test Akkuscheinwerfer
Test-Übersicht Akku-Scheinwerfer

Ein Überblick über die von mir getesteten Akkuscheinerfer.
Test Dynamo-USB-Ladegeräte Fahrrad
Dynamo-USB-Lader

Das Smartphone am Fahrraddynamo laden: ein Überblick über erhältliche Geräte.
E-Bike-Scheinwerfer im Test
Übersicht E-Bike-Scheinwerfer

Welche Scheinwerfer für E-Bikes sind empfehlenswert?
Fahrradbeleuchtung Lux und Lumen
Lux und Lumen

Was sagen diese Größen bei Fahrradbeleuchtung aus? Können sie bei der Kaufentscheidung helfen?
Zwei Scheinwerfer am Nabendynamo
Zwei Scheinwerfer am Nabendynamo

Doppelte Helligkeit mit zwei Scheinwerfern in Reihe? Hier erkläre ich, wie das geht!
Lumen-Messung von Fahrradlampen
Lumen-Messung von Fahrradbeleuchtung

Meine Messergebnisse zum besseren Vergleich von Fahrradbeleuchtung.
Gesetzliche Vorschriften Fahrradbeleuchtung StVZO
Gesetzliche Vorschriften Fahrradbeleuchtung

Erklärung der gesetzlichen Regelungen nach StVZO.

Anzeige:

Kommentare

(optional, wird nicht veröffentlicht)
(optional)