Testbericht: Herrmans H-Black Pro

17. September 2020

2022: weiteres Ausleuchtungsfoto und Lumendiagamm eingefügt.

Herrmans H-Black Pro

Kategorie: Dynamo-Scheinwerfer

Lichtstrom: 180 Lumen bei 20 km/h (eigene Messung, Herstellerangabe 200 Lumen)
Stromquelle: Dynamo
Gewicht: 113 g (eigene Messung)
Ausstattung: Standlicht, Schalter
StVZO-Zulassung: ja
Preis: ab ca. 50 €

Bezugsquellen:
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+ breite Ausleuchtung im mittleren Bereich
+ stabiles Metallgehäuse
o mittelmäßige Nahfeldausleuchtung
o mittelmäßige Fernsicht
ungleichmäßige Helligkeitsverteilung
keine Sensorfunktion
Blendung durch nach vorn stehende Linse

Transparenzhinweis: Den Herrmans H-Black Pro habe ich für den Test gekauft und selbst bezahlt.

Lieferumfang

Der H-Black Pro wurde in einem Klarsichtbeutel verpackt geliefert, als Zubehör war nur der ansteckbare Rückstrahler dabei. Auf solche Angebote stößt man manchmal bei günstigen Onlinehändlern, die Scheinwerfer weiterverkaufen, die eigentlich für den Aufbau von Fahrrädern gedacht sind. Wenn man ihn in normaler Einzelhandelsverpackung kauft, dürfte auch noch eine Bedienungsanleitung dabei sein.

Verarbeitung und Bedienung

Der Herrmans H-Black Pro hat ein Gehäuse, welches größtenteils aus Metall besteht. Der Schalter hinten und ein Ring vorn bestehen jedoch aus Kunststoff. An der Seite befindet sich ein transparentes Sichtfenster, welches eine gute seitliche Sichtbarkeit sicherstellt.

Die Halterung der H-Black Pro besteht aus Kunststoff. Das hört sich nach einem Nachteil gegenüber Metall an, muss es in meinen Augen jedoch nicht unbedingt sein. Die Halterung wirkt ausreichend stabil und steif genug, um Vibrationen des Scheinwerfers zu vermeiden. Der Scheinwerfer lässt sich nach Lockern eine Inbusschraube in der Neigung verstellen. Im Halter selbst befindet sich ein weiteres Gelenk, an dem sich nach Lockern der Schraube die Neigung der Halterung verstellen lässt.
Auf der Herstellerseite gibt es auch noch eine Übersicht über alternative Halterungen für verschiedene Einsatzzwecke.

Unten an der H-Black Pro lässt sich der mitgelieferte Rückstrahler anstecken. Wenn sonst kein Frontrückstrahler angebracht ist, ist das nötig um der StVZO zu entsprechen.

Der Drehschalter auf der Rückseite ist groß, ist aber etwas schwergängig, um sich wirklich gut bedienen zu lassen. Der H-Black Pro lässt sich nur ein und ausschalten. Ein Sensormodus, der die Lampe je nach Umgebungslicht ein- und ausschaltet, ist nicht vorgesehen.

Das Anschlusskabel zum Dynamo ist fest angebracht. Ein weiteres kurzes Anschlusskabel mit montierten Kabelschuhen dient zum Anschluss des Rücklichts, welches dann vom Schalter des Hauptscheinwerfers mit eingeschaltet wird.

Praxiseinsatz

Hier ein Foto der Ausleuchtung des Herrmans H-Black Pro (für mehr Ausleuchtungsfotos von Dynamoscheinwerfern siehe Übersicht Dynamoscheinwerfer):

Update 2022: hier ein weiteres Foto der Ausleuchtung mit neuer Kamera an anderer Stelle aufgenommen:

(Siehe auch Aufbau und Kameraeinstellungen und Interpretation von Lichtvergleichsfotos)

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Der Lichtkegel des H-Black Pro sieht auf den ersten Blick zunächst aus wie der einer rotationssymetrischen Leuchte. Das ist jedoch nicht der Fall, das Licht hat eine klare Hell-Dunkel-Grenze, blendet also den Gegenverkehr nicht.

Im Nahbereich bis ca. 2 m Entfernung ist zunächst sehr wenig Licht. Man sieht allerdings noch mehr als auf dem Foto ersichtlich, da das weniger intensive Steulicht dort schlecht wiedergegeben wird. Dann beginnt ein Streifen mit etwas geringerer Helligkeit, der bis ca. 5 m reicht. Der Helligkeitssprung der hier entsteht ist nicht optimal, stört in der Praxis aber nicht allzu sehr.

Im Zentrum des Hauptlichtkegels ist es dann sehr hell. Das klingt leider positiver als es ist. Man könnte diesen eher kleinen Bereich auch als überstrahlt bezeichnen. Leider passt sich das Auge an diese hohe Helligkeit an und kann dann in den Bereichen seitlich und im Fernbereich schlechter etwas erkennen. Entsprechend ist auch die Fernsicht leider nur mäßig.

Im mittleren Bereich ist die Ausleuchtung recht breit. Das ist auf dem Foto nur teilweise sichtbar, erstens weil die dunkler ausgeleuchteten Bereiche auf dem Foto schlecht wiedergegeben werden, zweitens weil der Bewuchs neben dem Weg die Ausbreitung des Lichtkegels teilweise verhindert. In sanften Kurven hat man dadurch eine etwas bessere Ausleuchtung als mit weniger breit ausleuchtenden Scheinwerfern.

Hinter den seitlichen Sichtfenstern befindet sich übrigens jeweils noch eine separate LED, so dass die seitliche Sichtbarkeit sehr gut ist.

Um ein Standlicht zu realisieren, wird etwas Energie in einem Kondensator (genaugenommen sind es zwei) gespeichert, der den Scheinwerfer und die separaten LEDs zur seitlichen Sichtbarkeit dann auch im Stand noch für einige Minuten weiter leuchten lassen. Die Helligkeit ist dabei allerdings deutlich geringer als während der Fahrt. Man wird aber immerhin noch gesehen und kann selbst noch begrenzt etwas sehen. Interessanterweise erzeugt das Standlicht nur ähnlich viel Licht, wie die günstigeren Herrmans MR4 und MR8, obwohl der H-Black Pro zwei 0,47 F Kondensatoren einsetzt, statt wie diese nur einen. Allerdings haben meine Messungen ergeben, dass die Standlichtkondensatoren beim H-Black Pro mit deutlich geringerer Spannung geladen werden.

Schaltet man den Scheinwerfer im Stand aus, erlischt auch das Standlicht sofort.

Was leider noch negativ auffällt ist die stark nach vorn gezogene Linse. Diese ist nach oben nicht abgedeckt und blendet daher während der Fahrt etwas den Fahrer.

Lichtstrom in Lumen

Der Lichtstrom in Lumen ist ein Maß dafür, wie viel Licht eine Lichtquelle insgesamt erzeugt. Die Aussagekraft davon ist meiner Meinung nach höher, als die sonst oft angegebene Beleuchtungsstärke in Lux, die nur die Helligkeit am hellsten Punkt beschreibt (Mehr dazu im Artikel über Lux und Lumen).

Da der Lichtstrom in Lumen von vielen Herstellern nicht angegeben wird, messe ich ihn mit einer selbstgebauten Ulbrichtkugel.

Unten der erzeugte Lichtstrom des Herrmans H-Black Pro in Abhängigkeit von der Geschwindigkeit. DerH-Black Pro war für die Messung an einem motorgetriebenen Nabendynamo (Shimano Nexus DH-C3000-3N) angeschlossen. Die Geschwindigkeit ist bezogen auf ein 28-Zoll-Rad (2200 mm Abrollumfang). Bei anderen Radgrößen verschieben sich die Geschwindigkeiten entsprechend leicht (je kleiner das Rad, desto höher die Drehzahl bei gleicher Geschwindigkeit). Ein Rücklicht war für die Messung nicht angeschlossen, dieses verringert die Helligkeit des Frontscheinwerfers erfahrungsgemäß etwas, aber nur unwesentlich.

Der Lichtstrom steigt wie bei Dynamoscheinwerfern üblich mit steigender Geschwindigkeit, irgendwann flacht der Anstieg aber ab. Der H-Black Pro erreicht im Vergleich einen einigermaßen hohen Lichtstrom. Allerdings sind die Unterschiede bei den meisten Dynamoscheinwerfern auch nicht allzu groß.

Außerdem habe ich den Lichtstrom des Standlichts gemessen:

Hier erreicht der H-Black Pro keinen allzu großen Wert. Allerdings erreichen auch andere Dynamoscheinwerfer mit Standlicht nur einen wesentlich geringeren Lichtstrom, als während der Fahrt. Einige sind jedoch noch deutlich besser als der H-Black Pro.

Öffnen des Gehäuses zur Reparatur

Das Gehäuse des H-Black Pro lässt sich recht leicht Öffnen um ggf. eine Reparatur durchzuführen. Nach Entfernen des Halters kommt man gut an die Schraube (Torx T10) an der Unterseite, die Gehäuse und Innenleben zusammenhält.

Ist die Schraube entfernt, hebelt man vorsichtig den vorderen Teil vom Gehäuse ab…

… und nimmt das gesamte Innenleben heraus.

Hier die Einzelteile im demontierten Zustand:

Hier die Platine. Hinten ist ein Schiebeschalter zu sehen. Dieser wird vom Drehtschalter an der Rückseite bewegt. Die zwei schwarzen Bauteile sind die Standlichtkondensatoren (je 0,47 F). Das silberne Teil ist ein Reflektor…

… unter dem sich die LED befindet. Das Licht wird dann vom Reflektor nach vorn zur Linse geworfen.

Den Scheinwerfer wieder zusammen zu bauen, erforderte etwas Fingerspitzengefühl. Vor allem muss man darauf achten, dass der Drehschalter in der richtigen Position steht, um den Schiebeschalter auch bewegen zu können.

Fazit

Die Ausleuchtung der Herrmans H-Black Pro fällt leider durch eine weniger gute Lichtverteilung auf. Die Ausleuchtung ist recht ungleichmäßig und wirft sehr viel Licht auf einen kleineren Bereich in der Mitte. Durch die folgende Adaption des Auges wird die Sicht in den anderen Bereichen verschlechtert. Positiv fällt aber immerhin die breite Ausleuchtung im mittleren Bereich auf, die in sanften Kurven Sicht in der Kurve ermöglicht.

Vergleicht man den H-Black Pro mit dem H-Black MR8 vom gleichen Hersteller, würde ich den MR8 klar vorziehen. Zwar hat dieser kein Metallgehäuse, bietet aber bei einem deutlich geringeren Preis etwa genauso viel Licht bei wesentlich besserer Lichtverteilung. In sofern würde ich diesen klar vorziehen. Im gleichen Preisbereich wie der H-Black Pro ist auch der Busch & Müller IQ-XS empfehlenswert, mit ebenfalls einem Metallgehäuse, ähnlichem Lichtstrom und besserer Lichtverteilung.

Siehe auch: Vergleich: Herrmans H-Black MR4, MR8 und Pro

Bezugsquellen:
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