Testbericht: Cateye GVolt 100

18. Januar 2022


Cateye GVolt 100

Kategorie: Akku-Scheinwerfer

Lichtstrom 330 / 190 / 50 Lumen je nach Leuchtstufe (eigene Messung)
Beleuchtungsstärke 100 / 60 / 10 Lux je nach Leuchtstufe (Herstellerangabe)
Leuchtdauer 1,5 / 3 / 15 h je nach Leuchtstufe (geprüfte Herstellerangabe)
Akkus integrierter Li-Ion-Akku 3400 mAh
Gewicht 197 g mit Halterung (eigene Messung)
StVZO-Zulassung ja

Bezugsquellen:

Vorteile:
+ hoher Lichtstrom
+ sehr breite Ausleuchtung im Fernbereich
+ Montage über und unter dem Lenker möglich ohne kopfstehendes Lichtbild
+ Akkumodul und Lampenkopf trennbar

Nachteile:
schlechte Nahfeldausleuchtung
etwas überstrahlt im Zentrum, verschlechtert Fernsicht
unschöne Farbränder im Lichtkegel
kein Nachladen im Betrieb
Halterung klemmt beim Abziehen teils etwas

Fazit
Die Cateye GVolt 100 überzeugt durch recht viel Licht. Optimal verteilt sie dieses aber leider nicht. Während die breite Ausleuchtung im Fernbereich gut ist, ist die Nahfeldausleuchtung eher schlecht. Der zu helle Lichtfleck in der Mitte und die im Fernbereich dann stark abfallende Helligkeit machen die Fernsicht nicht optimal. Durch die Linse erzeugte Farbsäume stören etwas. Die Trennbarkeit von Lampenkopf und Akkumodul ist recht interessant, auch wenn man die Vorteile nicht überschätzen sollte.

Transparenzhinweis: Die Cateye GVolt 100 habe ich für den Test gekauft und selbst bezahlt.

Lieferumfang

In der Verpackung der GVolt 100 ist nicht viel drin: neben der Lampe eine Lenkerhalterung, ein kurzes USB-Kabel und eine Bedienungsanleitung. Das reicht aber auch, ein USB-Ladegerät dürften die Meisten ohnehin schon haben.

Aussehen und Bedienung

Hervorstechendes Merkmal der GVolt 100 ist eine Trennbarkeit von Lampenkopf und Akkumodul. Durch eine Drehung lässt sich der Lampenkopf vom Akkumodul abnehmen. Das hat mehrere Vorteile:

  • Tauschbarkeit des Akkumoduls bei Defekt
  • Mitführen eines zweiten Akkumoduls als Reserve möglich
  • Anbringen hängend unter dem Lenker oder über dem Lenker möglich, ohne das Lichtbild auf den Kopf zu stellen (Lampenkopf kann um 180° verdreht am Akkumodul angebracht werden)
  • Verwenden des Lampenkopfes an separat erhältlichem E-Bike-Modul

Hier muss ich sagen, dass ich diese Idee zwar gut finde, man sollte den Vorteil allerdings nicht überschätzen.

Vor allem ist das Akkumodul recht teuer, der Preis liegt meist über der Hälfte der kompletten GVolt 100 mit Akkumodul. Wer also gehofft hat, dass man sich günstig ein paar Ersatzakkus kaufen kann, der wird enttäuscht. Auch einen Austausch bei einem Akkudefekt ist so zumindest sehr teuer, aber immerhin günstiger als eine komplett neue Lampe. Darüber hinaus würde ich mal die Prognose abgeben, dass man in 10 Jahren keine neuen Akkumodule mehr nachkaufen kann…

Ich warte immer noch auf den Tag, an dem mal ein Fahrradbeleuchtungs-Hersteller auf die Idee kommt, das Konzept üblicher Taschenlampen auf Fahrradbeleuchtung zu übertragen. Hier hat man einen Lampenkopf, daran ein Rohr geschraubt in dem sich eine Standard-Li-Ion-Zelle befindet (z.B. 18650, 14500 oder 21700) und hinten eine Kappe aufgeschraubt. So machen das viele verschiedene Hersteller, das Konzept hat sich bewährt, es ist robust, wasserdicht, günstig. Und jeder kann den Akku ohne Probleme mit günstig erhältlichen Standardzellen tauschen.

Auch die Verwendung des Lampenkopfes am separat erhältlichen E-Bike-Modul klingt besser als sie ist. Die Kombination von GVolt 100 + E-Bike-Modul ist nicht so viel günstiger als GVolt 100 + GE 100 (die E-Bike-Variante, bei der direkt das E-Bike-Modul statt einem Akkumodul dabei ist). Und dafür muss man dann immer den Lampenkopf umstecken, je nachdem was man verwenden will? Sicher möglich, aber vermutlich nur in ganz wenigen Fällen eine überlegenswerte Option.

Der vordere Teil des Lampenkopfes besteht zur besseren Wärmeableitung aus Metall. Die Lichtverteilung passiert durch eine Linse, die recht weit nach vorne gewölbt ist. Um Blendung bei weit nach vorn geneigter Sitzposition zu verhindern, ist glücklicherweise der obere Teil des Lampenkopfes bis über die vorstehende Linse hinweg nach vorn gezogen.

Hinten an der Lampe befinden befindet sich ein Schalter. Mit einem langen Druck wird die Lampe ein- und wieder ausgeschaltet. Ein kurzer Druck schaltet die 3 Leuchtstufen durch. Beim Ausschalten merkt sich die GVolt 100 auch die Leuchtstufe und beginnt beim Wiedereinschalten mit dieser.

Leider passiert es beim Drücken des Schalters leicht, dass man die Halterung am Lenker verdreht. Durch die leichte Verjüngung der Lampe nach hinten, ist es auch nicht so leicht, die Lampe mit einer Hand festzuhalten und gleichzeitig den Schalter zu drücken. Hier finde ich Schalter, die sich oben auf der Lampe befinden, praktischer. Wer oft die Leuchtstufe hin- und herschaltet wird mit dem Schalter der GVolt 100 vermutlich nicht zufrieden sein.

In den Schalter integriert ist eine farbige LED. Diese zeigt die verbleibende Restkapazität des Akkus an. Ab 60% Ladestand beginnt die Anzeige orange zu leuchten, ab 50% dann rot und ab 30% blinkt sie rot. Das Blinken kann zugegebenermaßen etwas nerven. Die Anzeige des Ladestandes ist in jedem Fall schonmal besser als bei den anderen GVolt-Modellen, die nur mit rotem Licht vor bald leerem Akku warnen. Viele Lampen in diesem Preisbereich bieten aber noch eine deutlich bessere Anzeige mit LED-Balken oder gar Display.

Hinten befindet sich außerdem der Micro-USB-Ladeanschluss hinter einer Gummiabdeckung.

Halterung

Die Lenkerhalterung der GVolt 100 besteht aus einem Band, welches mit einem Drehknopf am Lenker festgezogen wird. Innen befindet sich eine Gummiauflage, welche die Haftung verbessert.

Um die GVolt 100 an der Halterung zu befestigen, wird sie in die Führungsschiene geschoben. Mit einem kleinen Hebel an der Lampe kann diese dann wieder entriegelt und aus der Halterung gezogen werden. Leider ist dieser Entriegelungshebel recht klein. Auch klemmt die Lampe manchmal ein wenig in der Halterung.

Um die GVolt 100 auch an Lenkern verwenden zu können, die nicht gerade sind, kann der Teil mit der Führungsschiene auch etwas verdreht werden (dazu vorher die Schraube etwas lockern).


Montage unter oder über dem Lenker durch 180° gedrehtes Anbringen des Lampenkopfes möglich

Wie weiter oben schon beschrieben, lässt sich der Lampenkopf der GVolt 100 um 180° verdreht am Akkumodul anbringen. Dadurch kann die Lampe entweder über dem Lenker oder hängend unter dem Lenker angebracht werden, ohne dass das Lichtbild auf dem Kopf steht. Das ist bei den meisten anderen Lampen nicht möglich. Ein auf dem Kopf stehendes Lichtbild sorgt für eine schlechte Ausleuchtung und eine Blendung des Gegenverkehrs und muss daher unbedingt vermieden werden.

Erhältlich sind für die GVolt 100 auch noch weitere Halterungen, am besten mal auf der Herstellerseite schauen.

Lichtverteilung

Um einen Eindruck zu vermitteln, hier ein Foto des Lichtkegels der Cateye GVolt 100 (siehe auch Test-Übersicht Akku-Fahrradbeleuchtung):

(Mehr Infos: Aufbau und Kameraeinstellungen und Interpretation von Lichtvergleichsfotos)

Der Hauptlichtkegel der GVolt 100 beginnt ca. 3 m vor dem Rad. Davor hat man aber auch noch etwas Streulicht, so dass man die Straße noch erkennen kann. Vorn ist der Lichtkegel erst schmal und wird dann nach hinten immer breiter. Im Fernbereich hat man dann einen sehr breiten Lichtkegel. Das ist erstmal positiv, allerdings „verschwendet“ die GVolt 100 dadurch auch einiges an Licht in Bereichen, die eher selten relevant sind. Eine minimal schmalere Ausleuchtung im Fernbereich und eine bessere und breitere Nahfeldausleuchtung dürften mit dem gleichen Lichtstrom realisierbar sein.

Das Zentrum des Lichtkegels ist ein wenig überstrahlt. Vor allem im Fernbereich ist die Sicht dadurch nicht optimal, da die Beleuchtungsstärke hier stark abnimmt. Ansonsten ist das Licht aber einigermaßen gleichmäßig verteilt.

Auch auffällig sind die bunten Bereiche am Anfang und in der Mitte des Lichtkegels. Diese kommen durch Dispersion an der Linse zustande, da unterschiedliche Wellenlängen unterschiedlich stark gebrochen werden. Das ist prinzipbedingt bei Linsen nur schwer zu vermeiden, hier hat die Lichtverteilung durch Reflektoren eindeutige Vorteile.

Insgesamt finde ich die Lichtverteilung nur mittelmäßig. Bedingt durch den relativ hohen Lichtstrom (siehe nächster Abschnitt) kann man mit der GVolt 100 schon recht gut sehen. Aber mit einer besseren Lichtverteilung wäre hier noch deutlich mehr herauszuholen gewesen.

Lichtstrom und Leuchtdauer

Wichtig für eine Fahrradlampe ist, wie viel Licht sie erzeugt. Ein gutes Maß dafür ist der Lichtstrom in Lumen. Den Lichtstrom habe ich gemessen. Gemessen habe ich für die GVolt 100 in der höchsten Stufe ca. 330 Lumen, 190 Lumen in der mittleren und 50 Lumen in der niedrigen. Der Wert auf höchster Stufe ist recht hoch. Es ist immerhin der zweithöchste Wert, den ich bei einer in Deutschland straßenzugelassenen Akkulampe ohne externes mit Kabel verbundenes Akkupack bisher gemessen habe. Mehr habe ich nur bei der Busch & Müller Ixon Space gemessen. Allerdings sind die 330 Lumen auch kein astronomisch hoher Wert. Viele mittelpreisige Akku-Fahrradlampen erreichen um die 200 Lumen.

Gemessen habe ich auch einen Zeitverlauf des Lichtstroms. So lässt sich die Leuchtdauer ablesen und ob sich die Helligkeit im Zeitverlauf verändert.

Cateye GVolt 100 - Laufzeit und Lumen

Hier ein Ausschnitt des Diagramms zur besseren Darstellung der hohen Leuchtstufen:

Cateye GVolt 100 - Laufzeit und Lumen

In der hohen Stufe fällt der Lichtstrom in den ersten Minuten durch die Erwärmung etwas ab. Dieser Abfall ist jedoch nur sehr gering, was die gute Wärmeableitung durch den Metallkühlkörper am Lampenkopf der GVolt 100 zeigt. Dann wird der Lichtstrom bis zum Schluss sehr konstant gehalten, die Leuchtstärke wird vor Laufzeitende nicht reduziert.

Hier die abgelesenen Leuchtdauern bis zum Abschalten der GVolt 100:

Hohe Leuchtstufe: 93 min
Mittlere Leuchtstufe: 204 min
Niedrige Leuchtstufe: 1035 min

Versprochen werden vom Hersteller 1,5 h in der hohen Stufe, 3 h in der mittleren und 15 h in der niedrigen Stufe. Diese Werte werden eingehalten, in der mittleren und niedrigen Stufe sogar um gut 10% übertroffen.

Übrigens schaltet die GVolt 100 in der hohen und mittleren Stufe nach knapp 1 min Bewegungslosigkeit die Helligkeit deutlich herunter (nicht nur, wie in der Bedienungsanleitung angegeben, in der höchsten Stufe). Die Helligkeit entspricht dabei der der niedrigsten Stufe. Das soll verhindern, dass sich der Akku zu schnell entleert, wenn man eine Weile steht. Dass das Herunterregeln während der Fahrt passiert, davor muss man übrigens keine Angst haben. Es werden schon extrem kleine Erschütterungen registriert. Sobald wieder eine Bewegung erfolgt, wird die Leuchtkraft wieder hochgeregelt.

Ich empfinde dieses Verhalten nicht als großen Vorteil. Wenn ich länger stehe, denke ich auch selbst daran die Lampe abzuschalten oder zumindest runterzuregeln. Einen Nachteil sehe ich allerdings auch nicht. Der einzige Nachteil war für mich der Zeitaufwand, die oben gezeigten Lumendiagramme aufzunehmen. Stundenlang vom Intervalltimer alle 50 Sekunden daran erinnert zu werden, mal kurz an der Lampe zu ruckeln, macht keinen großen Spaß…

Ladezeit

Das Laden der GVolt 100 hat in meinem Test 3:35 h gedauert, ziemlich genau die vom Hersteller angegebenen 3,5 Stunden.

Angezeigt wird das Laden mit der mehrfarbigen Anzeige im Einschaltknopf. Rot bedeutet, dass geladen wird.

Bei Erreichen eines Ladestandes von 40-60 % wechselt die Farbe dann auf Orange. Das ist sehr gut, so kann man das Laden bei ca. der Hälfte stoppen. Das ist für eine längere Lagerung der Lampe deutlich besser für die Alterung des Akkus, als den Akku vollzuladen (eine Lagerung im leeren Zustand sollte man aber auch unbedingt vermeiden).

Ist der Akku komplett geladen, wechselt die Farbe auf grün.

Messen konnte ich Ladeströme bis ca. 1,5 A, wobei diese stark abhängig vom verwendeten Netzteil und Kabel sind.

Leider schaltet die GVolt 100 ab, sobald sie geladen wird. Ein Nachladen während sie leuchtet (z.B. mit einer Powerbank) ist also nicht möglich.

Fazit

Die Cateye GVolt 100 überzeugt durch recht viel Licht. Optimal verteilt sie dieses aber leider nicht. Während die breite Ausleuchtung im Fernbereich gut ist, ist die Nahfeldausleuchtung eher schlecht. Der zu helle Lichtfleck in der Mitte und die im Fernbereich dann stark abfallende Helligkeit machen die Fernsicht nicht optimal. Durch die Linse erzeugte Farbsäume stören etwas. Die Trennbarkeit von Lampenkopf und Akkumodul ist recht interessant, auch wenn man die Vorteile nicht überschätzen sollte.

Bezugsquellen:

Alternativen: Die ernstzunehmendste Alternative dürfte die Busch & Müller Ixon Space sein. Diese bekommt man oft für einen moderaten Aufpreis gegenüber der GVolt 100, sie erzeugt aber noch etwas mehr Licht und hat nicht so große Schwächen bei der Lichtverteilung.

Auch Trelock LS 660 und Busch & Müller Ixon Rock könnten durchaus Alternativen sein. Sie erzeugen zwar etwas weniger Licht und haben nicht eine ganz so breite Ausleuchtung, aber immerhin verteilen sie das Licht recht gut und kosten ein ganzes Stück weniger als die GVolt 100.


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