Fahrrad als Ladestation: USB-Ladegerät am Nabendynamo

11. September 2012

Bei längeren Radreisen ergibt sich oft folgendes Problem: wo elektrische Geräte wie Smartphones, Fahrrad-Navis oder Kameras laden? Insbesondere Navigationsgeräte oder Smartphones, die als solches verwendet werden, verbrauchen viel Strom und sind teilweise bereits nach wenigen Stunden leer.

Warum zu diesem Zweck nicht den Strom des Nabendynamos nutzen, der tagsüber sowieso nicht von der Fahrradbeleuchtung benötigt wird? Viele Geräte nutzen heute zum Laden einen USB-Anschluss. Dieser besitzt zwei Leitungen zur Datenübertragung, zwei zur Stromversorgung. Die Leitungen zur Datenübertragung werden in diesem Fall einfach nicht genutzt.

Marktübersicht: USB-Ladegeräte für Nabendynamos

elektrische Anforderungen an ein USB-Ladegerät für Nabendynamos

Können wir nun also einfach einen USB-Stecker an den Nabendynamo anschließen und damit Geräte während dem Fahren aufladen? Ganz so einfach ist es leider nicht…

Ein USB-Anschluss stellt Gleichspannung bereit. Ein Nabendynamo eine Wechselspannung. Benötigt wird also ein Gleichrichter, der die Spannung entsprechend in eine Gleichspannung transformiert.

Gängige Nabendynamos liefern eine Spannung von 6V, was weitestgehend mit den für den USB-Anschluss benötigten 5V übereinstimmt, aber leider ist die bereitgestellte Spannung eines Nabendynamos keineswegs konstant, sondern abhängig vom verbrauchten Strom und der Geschwindigkeit. Bei sehr hohen Geschwindigkeiten und geringer Last können am Nabendynamo Spannungen bis 100V entstehen. Diese sollte man keinem Smartphone zumuten. Was wir also brauchen: eine Spannungsregelung bzw. Spannungsbegrenzung.

Pufferakku oder nicht?

Ein weiteres Problem: halten wir an oder fahren kurzzeitig zu langsam, steht plötzlich kein Strom am USB-Anschluss mehr zur Verfügung. An sich kein Problem, aber einige Geräte kommen damit nicht klar. Ein Pufferakku, der einen Teil der vom Nabendynamo erzeugten Energie speichert und zumindest einige Minuten Standzeit überbrücken kann, ist also in manchen Fällen sinnvoll.

Um herauszufinden, ob Sie ein Ladegerät mit Pufferakku benötigen, gehen Sie folgendermaßen vor. Stecken Sie Ihr Gerät an das Ladegerät an der Steckdose an. Nun trennen Sie das Ladegerät kurz von der Steckdose und stecken es dann wieder hinein. Läd das Gerät dann ohne Probleme weiter? Wenn Sie beispielsweise erst eine Meldung bestätigen müssen, kann das recht nervig sein, wenn Sie das auf dem Rad nach jedem Ampelstopp ebenfalls tun müssen…

Kaufen oder selber bauen?

Wer sich mit Elektronik nicht auskennt, wird jetzt vermutlich kurz davor sein, entnervt aufzugeben. Aber man kann beruhigt sein: es gibt am Markt seit einiger Zeit fertige USB-Ladegeräte für Nabendynamos. Wir müssen also nicht selbst zum Lötkolben greifen. Die vorher genannten Informationen können aber dabei helfen, die Unterschiede der verfügbaren Dynamo-USB-Lader zu erkennen und das richtige Gerät auszuwählen.

Aber auch Bastler kommen nicht zu kurz: Im Netz existieren gute Bauanleitungen inklusive fertigen Teilelisten. Wer etwas Löt- und Eletronikerfahung hat, kann sich so ein USB-Ladegerät für Nabendynamos selbst bauen. Die Resultate müssen sich vor kommerziellen Lösungen keineswegs verstecken und sind zudem um einiges billiger. Der wohl bekannteste ist der Forums-Lader.

Marktübersicht: USB-Ladegeräte für Nabendynamos

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Kommentare [2]

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Stefan | Fahrradbeleuchtung-Info · 22. Januar 2016, 22:43 · #

@Pauline:
wenn man das Dynamo-Ladegerät gleichzeitig mit der Fahrradbeleuchtung nutzt, wird die Beleuchtung deutlich dunkler, das ist nur im Ausnahmefall empfehlenswert. Solche Ladegeräte sind eher dafür gedacht, den nicht benötigten Strom am Tag zu nutzen.

— Pauline · 21. Januar 2016, 16:17 · #

Guten Tag,
bleibt mein Fahrrad beim Anschluss verkehrstauglich? Das Fahrradlicht besteht heutzutage doch meistens aus LEDs, die eine Schwellspannung aufweisen. Wenn ich im Dunkeln zu langsam fahre und das Ladegerät angeschlossen ist, dann kann es zu Problemen führen, oder?