Hinweise zur Interpretation der Lichtvergleichsfotos

30. Mai 2014

Lichtvergleichsfotos sind ein gutes Mittel, um Fahrradbeleuchtung vor einem Kauf vergleichen zu können. Leider gibt es jedoch beim Vergleich von Lichtvergleichsfotos einige Fallstricke, die leicht zu falschen Schlussfolgerungen führen können. Um diese möglichst zu vermeiden, gebe ich hier einige Hinweise, die für die Auswahl von Fahrradbeleuchtung anhand von Lichtvergleichsfotos wichtig sind.

Empfehlenswert ist in diesem Zusammenhang übrigens auch das Lesen der Tests von Fahrradbeleuchtung. Die Beschreibungen dort liefern ggf. weitere wichtige Hinweise zum zugehörigen Lichtvergleichsfoto.

Überbetonung des Nahbereiches

Je näher ein Gegenstand ist, desto größer erscheint er auf einem Foto. Entsprechend erscheint auch auf einem Lichtvergleichsfoto der Nahbereich deutlich größer, als der Fernbereich. Die Folge ist, dass Scheinwerfer, welche den Nahbereich gut ausleuchten sehr viel beeindruckender erscheinen, als solche die den Fernbereich gut ausleuchten. Ganz einfach weil der Nahbereich auf einem Foto deutlich überbetont ist.

Als Beispiel hier die Lichtvergleichsfotos zweier Dynamoscheinwerfer. Welcher bietet das bessere Lichtbild? Fast jeder würde sich ohne zu zögern für den linken Scheinwerfer entscheiden. Er wirkt einfach viel heller! Aber ist er wirklich der bessere Scheinwerfer?

Fahrradbeleuchtung Nahbereich betont Fahrradbeleuchtung Fernbereich betont
Der IQ2 Eyc (links) wirkt auf dem Foto viel heller als der H-One S (rechts).

Blendet man den Nahbereich mal aus und zoomt näher heran, sieht das Ganze schon anders aus. Im Fernbereich nämlich ist der H-One S dem Eyc mindestens ebenbürtig.

Fahrradbeleuchtung Eyc Fern Fahrradbeleuchtung H-One S Fern
Näher herangezoomt, der Nahbereich bis 10m wird nicht betrachtet. Plötzlich wirkt der H-One S (rechts) mindestens genauso gut wie der Eyc (links).

Welcher von beiden nun der bessere ist, darum soll es eigentlich garnicht gehen. Der Eyc ist in einem relativ kleinen Bereich, dem Nahbereich, deutlich besser. Der H-One S leuchtet dagegen den größeren Bereich (Fernbereich) etwas besser aus. Was man bevorzugt ist eine Frage von Geschmack und Einsatzbereich. Aber der erste Eindruck eines Lichtvergleichsfotos (“boah der ist ja viel heller!”) kann jedenfalls zu voreiligen Schlüssen führen.

Um zu vermeiden, den Nahbereich zu sehr in den Vordergrund treten zu lassen, kann man beispielsweise zwei zu vergleichende Fotos auf dem Bildschirm nebeneinander anordnen und den unteren Bereich abdecken. So kann man den Fernbereich vergleichen ohne vom Nahbereich beeinflusst zu werden.

Größere Kontrastwahrnehmung des Auges

Das menschliche Auge kann eine große Anzahl von Helligkeitsstufen wahrnehmen. Mit den ca. 100.000 Lux an einem sonnigen Tag kann es ebenso umgehen wie mit den weniger als 1 Lux in einer Vollmondnacht. Eine Kamera kann mit so etwas ebenfalls umgehen, indem Blendenöffnung und Belichtungszeit angepasst werden. Aber auf einem einfachen Foto ist eine Kamera mit großen Helligkeitsunterschieden hoffnungslos überfordert. Nun sind die Helligkeitsunterschiede im Lichtkegel eines Fahrradscheinwerfers nicht so groß wie der Unterschied zwischen Sonnenschein und Vollmond. Aber trotzdem ist das menschliche Auge hier besser dran als eine Kamera, geschweige denn ein Monitor (oder Papierbild), die nochmal einen geringeren Kontrastumfang wiedergeben können.

Die Folge bei Vergleichsfotos der Lichtkegel von Fahrradscheinwerfern? Man kann ein Foto entweder so belichten, dass auch die dunklen Bereiche auf dem Foto so gut sichtbar sind wie in der Realität. Dann ist das Foto insgesamt aber viel zu hell und die hellsten Bereiche völlig überbelichtet. Oder man belichtet so, dass der Gesamthelligkeitseindruck stimmt, aber dunkle Bereiche in denen man in der Realität noch etwas erkennt, auf dem Foto quasi nicht mehr sichtbar sind.

Fahrradbeleuchtung dunkel Fahrradbeleuchtung hell
Die optimale Belichtungszeit gibt es nicht. Links: Gesamthelligkeit stimmig aber schlecht ausgeleuchtete Bereiche verschwinden, rechts: dunkle Bereiche halbwegs real, insgesamt aber viel zu hell.

Das Problem lässt sich nicht wirklich lösen. Ich belichte die Vergleichsfotos für Fahrradbeleuchtung Info eher so, dass man von der Gesamthelligkeit bei absoluter Dunkelheit einen Eindruck bekommt. Schlecht ausgeleuchtete Bereiche verschwinden dabei. Um das zu kompensieren ist in den Testberichten dazu normalerweise ein Hinweis vorhanden. Diese zu lesen lohnt sich also.

(Übrigens lässt sich das Problem auch mit HDR-Fotografie nicht lösen. Ich habe damit lange experimentiert. Zwar bekommt man das Problem damit für eine einzelne Lampe in den Griff. Aber Fotos von verschiedenen Fahrradlampen sind dann leider nicht mehr vergleichbar.)

Eine Zusammenstellung der Lichtvergleichsfotos findet ihr auf den Übersichtsseiten zu Dynamoscheinwerfern und Akkuscheinwerfern.


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Kommentare [3]

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— Freddy · 27. Dezember 2015, 01:08 · #

Eine Markierung der Breite wäre brauchbar. Man fährt ja nicht nur auf schnurgeraden Radwegen.

— Max · 8. Oktober 2015, 07:19 · #

Abgesehen vom höheren Aufwand sollten auch Bilder mit manueller Einstellung für Vergleiche nutzbar sein.
Man muss nur 3-5 mal (je nach gewünschtem Bereich) das gleiche Motiv mit vorgegebenen Einstellungen schießen. Da ist dann für jede Lichtstärke was dabei und die Reihen bleiben auch gut untereinander vergleichbar.
Man wählt zum Vergleich jeweils die Reihen die dafür (Ausleuchtung oder Lichtstärke) am besten geeignet sind.
HDR fähige Kameras machen sowas doch automatisch, bei meiner uralt Canon lässt sich das mittels Software nachrüsten (CHDK). Die jeweilige Einstellung wird ohnehin im Exif gespeichert, da kann man später immernoch sortieren.
Damit hielte sich der Aufwand in Grenzen, sobald man einmal ein System gefunden hat.

— Horex1200 · 7. Oktober 2015, 23:48 · #

Hallo,

sicherlich lässt sich das Problem nicht lösen, wenn man bei jedem Scheinwerfer die Belichtung neu (durch die Belichtungssteuerung der Kamera) festlegt.

Als Lösung bietet sich an, alle Vergleichsfotos mit gleichen Einstellungen (Blende / Belichtungszeit und ISO-Empfindlichkeit), d.h. im manuellen Modus aufzunehmen.

Einzige Schwierigkeit könnte dann sein (da man nicht alle Scheinwerfer gleichzeitig da hat), dass man bei den ersten Vergleichsfotos Einstellungen gewählt hat, die zwar schwache Modelle gut vergleichbar darstellen aber später bei den stärkeren Scheinwerfern vermehrt zu Überbelichtungen (weiße Flecke, ohne Zeichnung) kommt. Diese Flecke sind dann leider auch nicht mehr vergleichbar…

Gruß

Dietmar