Die besten Fahrradschlösser

7. Dezember 2015

Die Suche nach dem besten Fahrradschloss beginnt zunächst einmal mit der Frage: wie definiert man eigentlich das beste Fahrradschloss? Ist das beste Fahrradschloss einfach nur das sicherste Fahrradschloss? Oder ist vielmehr ein guter Kompromiss aus verschiedenen Eigenschaften, neben der Sicherheit z.B. Gewicht, Vielseitigkeit und Handhabung wichtig? Oder kommt es zusätzlich noch auf ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis an?
Die Antwort auf diese Frage kann nur individuell beantwortet werden und hängt stark vom Einsatzzweck des Fahrradschlosses ab. Dieser Artikel soll etwas Hilfe bei der Auswahl geben und einige unter verschiedenen Gesichtspunkten besonders empfehlenswerte Fahrradschlösser vorstellen.

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Beachtet werden sollte übrigens, dass dieser Artikel keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt. Es kann durchaus weitere gute Fahrradschlösser geben. Wenn ich keine einigermaßen belastbaren Erkenntnisse zu einem Schloss hatte, habe ich es in diesem Artikel allerdings nicht aufgenommen. Denn ansehen tut man einem Schloss leider kaum, ob es wirklich sicher ist.

sehr gute Fahrradschlösser mit höchster Sicherheit

Hier werden zunächst Schlösser vorgestellt, die zum einen sehr sicher sind und zum anderen auch sonst keine gravierenden Schwächen haben (z.B. eine schlechte Halterung o.ä.). Der Preis spielt dagegen erstmal keine Rolle.

Bügelschlösser

Wer ein sehr sicheres Fahrradschloss sucht, sollte sich zuerst bei Bügelschlössern umsehen. Prinzipbedingt ist diese Art von Schlössern tendenziell recht sicher (auch wenn dies nicht bei allen Modellen zutrifft). Empfehlen würde ich:

Das Abus Granit X Plus 540 (Bezugsquellen: Amazon, eBay, Bike24, Rose).
Dieses hat eine Bügelstärke von 13 mm und wird von Abus mit dem höchsten Sicherheitslevel 15 ausgezeichnet. Es hat 2015 in der Stiftung Warentest mit “gut” abgeschnitten. Ein Vorteil ist auch der Scheibenzylinder, der im Gegensatz zu sonst oft verwendeten Stiftzylindern kaum intelligent (also ohne das Schloss zu zerstören) zu öffnen ist.

Auch empfehlenswert ist das Abus uGrip Plus 501 (Bezugsquellen: Amazon, eBay, Bike24, Rose).
Zwar wird dieses von Abus nur mit dem Sicherheitslevel 13, aber im Test der Stiftung Warentest hat es 2015 genauso gut bei der Aufbruchsicherheit wie das Granit X Plus 540 abgeschnitten. Zu bedenken ist allerdings, dass dieses bei geringerer Bügelgröße etwa gleich schwer wie das Granit X Plus ist, weshalb ich dieses eher vorziehen würde.

Abus bietet auch weitere gute Bügelschlösser an, bezüglich Sicherheit reichen diese allerdings nicht mehr an die Spitze.

Bei anderen Herstellern sieht es bezüglich Bügelschlössern schwierig aus und mir ist aktuell keines bekannt, welches ich dem Granit X Plus vorziehen würde. Auch einige Bügelschlösser von Trelock (z.B. das BS 610 und BS 550) oder Kryptonite (z.B. New York und Evolution) haben in der Stiftung Warentest bezüglich Aufbruchsicherheit gut bis sehr gut abgeschnitten. Allerdings weisen diese wohl erhöhte Konzentrationen des Weichmachers DEHP in der Kunststoffummantelung auf, was wiederum mehr für das Granit X Plus spricht.

Faltschlösser

Verlässt man das Feld der Bügelschlösser, so sind Faltschlösser eine interessante Alternative. Diese aus mehreren Segmenten bestehenden Schlösser sind etwas flexibler einsetzbar als Bügelschlösser und weisen durch die Zusammenklappbarkeit ein deutlich geringeres Transportmaß auf.

Auch hier ist wieder Abus meine erste Wahl, und zwar mit dem Bordo Granit X Plus 6500 (Bezugsquellen: Amazon, eBay, Bike24, Rose). Dieses erreicht eine ähnlich hohe Sicherheit wie die Bügelschlossvariante des X Plus, welche auch von der Stiftung Warentest bestätigt wurde. Auch der sehr manipulationssichere Scheibenzylinder wurde hier verbaut. Vom Gewicht her liegt es allerdings in ähnlichen Regionen wie die Bügelschlossvariante (rund 1,5 kg), hohe Aufbruchsicherheit ist mit geringem Gewicht leider nicht zu realisieren.

Leider ist dies auch schon das einzige sehr sichere Faltschloss, welches mir bekannt ist. Faltschlösser von Trelock haben bezüglich Aufbruchsicherheit bei der Stiftung Warentest leider nicht gut abgeschnitten, auch wenn sie von ersten Eindruck her ebenfalls sehr sicher aussehen. Aber der erste Eindruck kann bei Schlössern leider täuschen.

Kettenschlösser

Auch Kettenschlösser können eine hohe Sicherheit erreichen. Allerdings sind Kettenschlösser die ähnlich sicher wie Bügelschlösser sind leider meist deutlich schwerer, selbst wenn die Kettenlänge nur moderat ist. Immerhin sind diese Schlösser von der Handhabbarkeit aber sehr gut und mit sehr großen Kettenlängen kaum schlagbar, wenn man zusätzlich beide Laufräder sichern will. Trotzdem macht das hohe Gewicht sie aber in vielen Fällen eher uninteressant, nur wenn sie nicht oder selten transportiert werden müssen, sind sie eine echte Option (Tipp: z.B. Schloss am Arbeitsplatz lassen, wenn man mit dem Rad zur Arbeit fährt).

Favoriten wären hier für mich:

Wieder mal das Abus Granit CityChain X-Plus 1060 (Bezugsquellen: Amazon, eBay, Bike24, Rose) und außerdem das Kryptonite New York (Bezugsquellen: Amazon, eBay, Bike24, Rose).
Ein echtes Schnäppchen dagegen ist das Axa Cherto Compact (Bezugsquellen: Amazon, eBay, Bike24). Die Stiftung Warentest bescheinigt diesem Schloss eine gute Aufbruchsicherheit, trotzdem ist es bereits ab rund 30 € zu haben. Wie die Sicherheit gegen das Abus und das Kryptonite-Schloss einzuschätzen ist, ist leider unklar. Die beiden teureren Schlösser weisen eine nochmals etwas höhere Kettendicke auf und könnten damit noch etwas sicherer sein. Allerdings ist das keine Garantie für hohe Sicherheit und vergleichbare Testergebnisse liegen mir leider nicht vor.

Bei anderen Fahrradschlosstypen sieht es bezüglich sehr hoher Sicherheit leider schwierig aus. Panzerkabelschlösser sehen zwar sehr massiv aus, erreichen aber bestenfalls ein mittleres Sicherheitsniveau. Von Spiralkabelschlössern, die auch bei guten Exemplaren nicht mehr als einen absolut minimalen Diebstahlschutz liefern, ganz zu schweigen.

Fahrradschlösser mit gutem Kompromiss (Sicherheit, Gewicht, Preis, …)

In diesem zweiten Abschnitt soll es nun um Schlösser gehen, die empfehlenswert sind, wenn man zwar ein sicheres Schloss haben will, das allerhöchste Sicherheitsniveau aber verzichtbar ist. Der Vorteil ist dann, dass auch Schlösser mit etwas geringerem Gewicht in die engere Wahl fallen (Schlösser mit sehr hoher Sicherheit sind deutlich unter 1,5 kg Gewicht leider nicht zu bekommen) und man beim Preis nicht ganz so tief in die Tasche greifen muss.

Bügelschlösser

Bügelschlösser sind eine gute Wahl, wenn es um einen Kompromiss aus Aufbruchsicherheit, Gewicht und Preis geht. Nur beim Packmaß und beim der Flexibilität beim Anschließen muss man prinzipbedingt Abstriche machen.

Schnäppchen mit Preisen unter 40 € sind beispielsweise das Fischer Safe 85851 (Bezugsquellen: eBay) und das Zefal K-traz U14 (Bezugsquellen: Amazon). Beide erreichen laut Stiftung Warentest die gleiche Aufbruchsicherheit wie das Granit X Plus Bügelschloss, kosten mit meist unter 40 € jedoch deutlich weniger. Allerdings soll bei beiden Schlössern der Halter nicht gut sein. Auch zum Gewicht sparen sind die Schlösser wenig geeignet. Das Fischer ist aufgrund seines dicken Bügels für seine Größe sogar ausgesprochen schwer. Wen das nicht schreckt, der erhält hier ein ausgesprochen gutes Preis-Leistungs-Verhältnis.

Wer etwas Gewicht sparen möchte, kann zum Abus Granit Plus 470 (Bezugsquellen: Amazon, eBay, Bike24) greifen. Dieses erreicht laut Stiftung Warentest fast die Aufbruchsicherheit des X Plus, wiegt aber bei gleicher Größe mehrere hundert Gramm weniger. Noch mehr Gewicht lässt sich mit dem Abus Granit Plus 640 (Bezugsquellen: Amazon, eBay, Bike24, Rose) sparen, was aber auf einen kleineren Bügel zurückzuführen ist.

Günstigere Bügelschlösser von Abus lohnen sich eigentlich kaum. Zwar kann man hier noch mehr Geld sparen, allerdings ist das Gewicht nicht oder kaum geringer, das Sicherheitslevel aber trotzdem geringer.

Leider disqualifizieren sich auch Bügelschlösser von Trelock und Kryptonite für mich. Zwar haben diese in der Aufbruchsicherheit bei der Stiftung Warentest größtenteils gute Ergebnisse erzielt, allerdings wurden bei den getesteten Modellen erhöhte Konzentrationen des Weichmachers DEHP gefunden, weshalb ich sie nicht in Betracht ziehen würde.

Faltschlösser

Bei Faltschlössern ist ein Schloss mit einem guten Kompromiss aus verschiedenen Parametern leider schwer zu finden. Das einzige ggf. noch verwendbare Schloss, wenn höchste Sicherheit verzichtbar ist, ist das Abus Bordo 6000 (Bezugsquellen: Amazon, eBay, Bike24, Rose). Es ist immerhin gut 300g leichter als das Bordo Granit X-Plus und auch deutlich günstiger zu bekommen. Allerdings muss man bei der Sicherheit bereits deutliche Abstriche machen. Die Stiftung Warentest stellte für die Aufbruchsicherheit nur ein befriedigend fest. Zum Teil dürfte dies mit dem gegen intelligentes Öffnen nicht optimal geschützten Schließzylinder zusammenhängen. Mit entsprechendem Werkzeug lässt sich das Schloss zerstörungsfrei öffnen.

Andere Faltschlösser von Abus erreichen leider nur noch minimale Sicherheit. Auch von anderen Herstellern ist mir leider kein brauchbares Exemplar bekannt. Allen voran die Faltschlösser von Trelock weisen wohl gravierende Schwächen bei der Aufbruchsicherheit auf.

Bei anderen Schlosstypen gibt es eigentlich keine weitere gute Auswahl. Wenn geringes Gewicht wichtig ist, sind Kettenschösser ohnehin nicht die erste Wahl. Ein sicheres Exemplar zum günstigen Preis wäre also bereits ein guter Kompromiss. Da das weiter oben vorgestellte Axa Cherto Compact trotz hoher Sicherheit sehr günstig ist, gibt es eigentlich keine weitere Notwendigkeit für einen Kompromiss.
Und Panzerkabelschlösser stellen leider eher generell einen schlechten Kompromiss dar, wenn es um ein gutes Gesamtpaket aus Preis, Gewicht und Sicherheit geht.


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