Radfahren im Winter - Interview mit Desiree

28. August 2016

Desiree ist 28 Jahre alt, fährt im Winter täglich Fahrrad. Ihre Strecke ist 12 km weit in einer kleineren Stadt und verläuft durch eine asphaltierte Strecke und gelegentlichen Stellen mit Kopfsteinpflaster. Dabei erreicht sie Geschwindigkeiten von 12 km im Winter, im Sommer fährt sie zwischen 20-25 km pro Stunde.

Ich habe mich mit Desiree getroffen und sie zu ihren Erfahrungen mit dem Fahrradfahren im Winter befragt. Hier die Erkenntnisse:

1. Warum fährst du Fahrrad im Winter?

Desiree: Ich mag es mich draußen sportlich zu betätigen, so kann ich problemlos Sport in meinen Alltag integrieren. Außerdem möchte ich auch im Winter nicht auf den öffentlichen Nahverkehr umsteigen.

2. Was ist beim Radfahren im Winter anders im Vergleich zu anderen Jahreszeiten?

Desiree: Ich fahre viel vorsichtiger, bewusster und damit auch langsamer. Meine Fahrweise ist viel genauer, ich passe viel mehr auf. Ich fahre lieber langsamer und schiebe auch mal ein Strecke.

3. Was sollte man als Einsteiger beim Fahrradfahren im Winter beachten?

Desiree: Ich rate Spike-Reifen zu verwenden, nur damit kann man gut im Winter Fahrrad fahren.
Außerdem habe ich für die Arbeit einen Satz Wechselklamotten mit.
Für die Fahrt ziehe ich mich nach dem Zwiebelprinzip an. Die passende Winterbekleidung ist wichtig!
Auch die Position beim Fahren ist anders als im Sommer, man muss viel mehr Balance halten als im Sommer um nicht zu fallen.
Ich rate erst mal eine Teststrecke zu fahren, um für sich festzustellen, ob das was für einen ist und wie man noch Kleidung und Fahrweise verbessern kann.
Ein weiterer Punkt ist die Fahrradbeleuchtung! Man kennt den Spruch „Sehen und gesehen werden“. Genau das ist entscheidend im Winter. Ich habe deshalb zwei Lampen, eine Akkubetriebene und eine Dynamo-Lampe, eine für die Weitsicht und eine für die Nahsicht. Im Winter ist es viel eher mal trüb und schon fast dunkel.

4. Was kann du zu deinen Spike-Reifen sagen, gibt es da Besonderheiten?

Desiree: Ich habe die Spikereifen von Schwalbe Marathon Winter Performance und bin damit sehr zufrieden. Ich empfehle einen Wechselradsatz zu haben, statt einen Schlauchwechsel vorzunehmen. Das Rad zu wechseln ist einfacher als den Schlauch zu wechseln. Das Rad vorne zu wechseln ist fix erledigt, hinten ist es etwas schwieriger wegen der Kette, aber wenn man es erstmals gemacht hat, dann geht das nächste Mal schon viel flotter. Da macht die Übung den Meister. Der weitere Vorteil beim Radwechsel ist die bessere Lagerung des Reifens, so dass er nicht beschädigt wird.

5. Wie pflegst du dein Fahrrad?

Desiree: Im Winter lege ich viel mehr Wert auf die Pflege. Jeden zweiten Tag öle ich die Kette nach und prüfe den Reifendruck. Dieser sollte geringer als im Sommer sein. Und nach jeder Fahrt putze ich den Schnee ab, so dass das Fahrrad nicht noch zusätzlich durch die Nässe geschädigt wird.

6. Was ist aus deiner Sicht unverzichtbar an Kleidung im Winter beim Fahrradfahren? Welche Kleidung nutzt du selber?

Desiree: Ich glaube auf Handschuhe kann ich nicht verzichten. Strickhandschuhe sind fürs Fahrrad fahren nicht geeignet. Meine winddichten Finger-Handschuhe sind da wunderbar. Wenn es unter null Grad wird, dann wechsle ich zu Fäustlingen, weil es einfach noch viel wärmer ist.
Ich trage eine winddichte Jacke, da nehme ich einfach meine Regenjacke, die ich ganzjährig trage. Darunter ziehe ich einen Wollpullover und eine Fleecejacke an.
Beim Fahren sollte man sich nicht zu warm anziehen, das habe ich am Anfang auch falsch gemacht.
Außerdem ziehe ich eine lange Unterhose oder Strumpfhose an und drüber kommt eine winddichte Hose, am besten auch wasserabweisend. Da können Jeans nicht mithalten.
Unterm Helm trage ich einen Schlauchschal und wenn es mir zu kalt wird, ziehe ich die Kapuze drüber.
Wenn man weiter als 6 km fährt, würde ich zu speziellen Socken raten oder man zieht winddichte Regenüberziehschuhe an, diese halten auch warm.
Ohne meine Fahrradbrille fahre ich nicht, sonst tränen meine Augen. Ich habe in eine gute Brille investiert. Am besten sind Brillen im Wechselset mit zwei Gläsern. Die gelben Gläser sind für schlechtes Wetter, die klaren sind für eine gute Sicht. Für Sommer habe ich zudem eine Sonnenbrille.
Vor der Fahrt creme ich mein Gesicht ein und verwende Lippenbalsam.

7. Was kannst du sonst an Tipps geben?

Desiree: Wenn man eine Tour plant, sollte man sich wärmer anziehen als sonst, da man auch stehen bleibt und so viel schneller auskühlt, als wenn man eine Strecke durchfährt.Und ich würde heißen Tee mitnehmen, um sich in Pausen warm zu halten.
Generell empfehle ich fürs Fahrrad fahren im Winter Kleidung aus Merinowolle, diese trocknen sehr schnell, stinken nicht, halten warm im Winter und Sommer.


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