Radfahren im Winter - Interview mit Ingo

14. August 2016

Interview Radfahren im Winter

Ingo ist 59 Jahre alt, fährt ganzjährig Fahrrad, seine Strecke beträgt 12-15 km zur Arbeit in einer großen Stadt und ist mal asphaltiert, mal geht es durch Plattenpflasterung und auch auf Parkwegen entlang. Dabei ist er durchaus zügig unterwegs.

Ich habe mich mit Ingo getroffen und ihn zu seinen Erfahrungen mit dem Fahrradfahren im Winter befragt.

1. Warum fährst du Fahrrad im Winter?

Ingo: Für mich ist es wichtig sich auch im Winter zu bewegen. Dabei ist Fahrrad fahren am einfachsten in den Alltag zu integrieren und natürlich macht es mir auch Spaß, durch den knisternden Schnee zu radeln.

2. Was ist beim Radfahren im Winter anders im Vergleich zu anderen Jahreszeiten?

Ingo: Man kann nicht so schnell fahren, wie in den anderen Jahreszeiten. Die Bereifung wird viel wichtiger und man muss auf einiges achten.
Zum Beispiel wird die Bekleidung sehr wichtig, nicht nur vor der Kälte muss man sich schützen, auch mit dem Schwitzen sollte man aufpassen. Man kommt viel eher ins Schwitzen und es wird viel schneller unangenehm mit der Nässe. Allerdings macht mit der richtigen Kleidung und Bereifung das Fahrrad fahren auch im Winter großen Spaß!

3. Was sollte man als Einsteiger bei Fahrradfahren im Winter beachten?

Ingo: Das allerwichtigste am Fahrrad im Winter ist die Bereifung, ich verwende Spike-Reifen. Meine sind von Schwalbe Marathon Winter Performance, 4 Reihen Spikes, jedoch kann man auch die 2 Reihen nehmen, da diese keine nennenswerten Nachteile zu den 4 Reihen haben, solange man nicht extreme Kurvenlagen oder überfrorene Spurrillen hat.

4. Warum sind für dich Spike-Reifen wichtig?

Ingo: Meiner Meinung nach macht ohne Spike-Reifen das Fahrrad fahren im Winter keinen Sinn und auch keinen Spaß. Die Reifen geben beim Fahren ein sicheres Gefühl auf glattem, gefrorenem Untergrund und auch bei Reifglätte. Normale Reifen können da nicht mithalten.
Bei meinen Reifen achte ich immer auf hohen Luftdruck, dann kann man die Spike-Reifen auch drauf lassen, auch wenn der Schnee schon längst weg ist. Ich lasse meine Spike-Reifen bei Wetteränderungen/ -erwärmung generell drauf.
Wenn man allerdings auf normale Bereifung umsteigen will, würde ich eher zu Räder-Wechsel raten als zum Reifentausch, weil die Handhabung einfacher ist.
Aber ich kann verstehen, wenn sich nicht jeder gleich Spike-Reifen anschaffen möchte, schließlich sind diese recht teuer.

5. Gibt es weitere Empfehlungen, die du geben kannst bezüglich des Fahrrads?

Ingo: Den Sattel runter zu stellen.
Ich stelle ihn circa 3 cm tiefer bei einer Körpergröße von 1,73 m. Damit kann man leichter Bremsen, vorsichtiger fahren und schnell reagieren, da man im Winter schneller in Situationen kommt, wo man schnell einen Fuß auf den Boden bekommen muss.

6. Wie pflegst du dein Fahrrad?

Ingo: Bei milden Temperaturen säubere ich das Fahrrad mit Wasser, da die Kette durch das Salz und die Feuchtigkeit im Winter sehr leidet. Zudem bringe ich immer gegen Ende Februar mein Fahrrad zur Durchsicht, dann wird die Kette ausgetauscht und ich kann ein weiteres Jahr mit dem Fahrrad ohne Probleme fahren.

7. Was ist aus deiner Sicht unverzichtbar an Kleidung im Winter beim Fahrradfahren? Welche Kleidung nutzt du selber?

Ingo: Als erstes gilt, ohne Handschuhe geht gar nichts und da braucht man vor allem winddichte und gefütterte Handschuhe (am besten aus Leder), da die Hände am schnellsten kalt werden. Bei -15 Grad empfehle ich Fausthandschuhe, sie sind zwar unbequemer beim Schalten, aber die Hände frieren nicht.
Als nächstes kann ich auf eine Mütze unterm Helm oder ein Schlauchschal nicht verzichten. Ein Schlauchtuch reicht nur, wenn es nicht zu kalt ist. Ich ziehe eine hochgeschlossene, winddichte Jacke und da drunter ein Halstuch oder Schal an. Außerdem empfehle ich in richtige gute warme Socken zu investieren z.B. Wollsocken oder Wollkniestrümpfe, da die Füße schnell kalt werden, ebenso wie die Hände.
Mein Spartipp, falls man keine Wollsocken hat: mehrere Socken übereinander ziehen, im Zwiebelprinzip, ist eine gute und preiswerte Alternative.
Materialien wie Baumwolle und Synthetik würde ich durch Wolle austauschen, da Wolle auch im nassen Zustand weiter wärmt.
Eine Brille finde ich wichtig, um das Laufen der Nase und tränende Augen zu vermeiden.
Ein Gesichtsschutz ist auch eine feine Sache, in der Übergangszeit benutze ich gerne ein Schlauchtuch als Gesichtsschutz sonst frieren die Wangen ein, später benutze ich zusätzlich Fettcreme fürs Gesicht. Als erste Schicht nehme ich Seide (die Unterwäsche), die zweite Schicht besteht bei mir aus Wolle.


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