Lux, Lumen oder wie hell ist Fahrradbeleuchtung?

10. Juni 2012

Bei Fahrradbeleuchtung, insbesondere beim Frontscheinwerfer tritt eine Eigenschaft stark in den Vordergrund: die Fahrradbeleuchtung soll vor allem hell sein! Das Problem welches hier auftritt: wie vergleicht man die Helligkeit von Fahrradbeleuchtung? Eine Beschreibung mit hell, mittel oder dunkel ist sehr subjektiv und daher kaum geeignet. Eine genaue Messung muss her! Und tatsächlich geben Hersteller von Fahrradbeleuchtung munter mit Helligkeitswerte in Lux oder Lumen an. Man sieht eine genaue Zahl und ist dann der Meinung, dass eine Fahrradlampe mit 40 Lux wohl eindeutig heller und besser sein muss als eine Fahrradlampe mit 25 Lux.

Aber ist das tatsächlich so? Schauen wir uns die Einheiten Lux und Lumen erstmal genauer an und was diese aussagen.

Die Beleuchtungsstärke gemessen in Lux

Die Beleuchtungsstärke in Lux ist die bei Fahrradlampen am häufigsten angegebene Größe. Was sagt die Beleuchtungsstärke aus? Sie sagt aus, wie viel Licht auf eine bestimmte Fläche auftrifft. Wie stark also eine Fläche beleuchtet ist.

Gemessen wird die Beleuchtungsstärke bei Fahrradscheinwerfern im Zentrum des Lichtkegels, senkrecht zur Fahrbahn in 10 m Entfernung. Wie viel Licht tatsächlich wo auf die Straße geworfen wird, darüber wird keine Aussage getroffen. Es ist extrem einfach, die Lichtverteilung mit einem etwas anderen Reflektor so zu ändern, dass eine viel höhere Lux-Zahl entsteht. Besser wird eine Fahrradlampe dadurch aber nicht.

Auch sagt die Beleuchtungsstärke nichts darüber aus, wie groß der beleuchtete Bereich ist. Im Extremfall vergleichen wir mal einen Laserpointer mit einem modernen Fahrradscheinwerfer. Die Beleuchtungsstärke in Lux eines Laserpointers schlägt den Fahrradscheinwerfer um Längen. Sollte man sich also einen Laserpointer ans Fahrrad montieren? Wohl kaum…

Ein geeignetes Beispiel ist auch die Busch & Müller Lumotec IQ Cyo. Diese ist als Version mit Nahfeldausleuchtung und 40 Lux und ohne Nahfeldausleuchtung mit 60 Lux erhältlich. Ist die Variante mit 60 Lux “heller”? Nein, die verwendete LED ist die gleiche, sie strahlt auch das gleiche Licht ab. Nur die Verteilung des Lichtes ist eine andere.

Die Aussage mehr Lux = heller ist also eine starke Vereinfachung. Sie gilt nur, wenn beleuchtete Fläche und Helligkeitsverteilung eines Fahrradscheinwerfers gleich ist. Einfach den Fahrradscheinwerfer mit der höchsten Lux-Zahl wählen unter der Annahme, dass dies der hellste ist, ist nicht zielführend.

der Lichtstrom gemessen in Lumen

Der Lichtstrom gemessen in Lumen berücksichtigt dagegen die gesamte Strahlungsleistung. Eine Beleuchtungsstärke von 1 Lux entspricht 1 Lumen pro m². Die Angabe der Helligkeit von Fahrradbeleuchtung in Lumen liefert eigentlich einen objektiveren Wert, um die Gesamtlichtmenge einzuschätzen.

Aber auch hier kann natürlich eine einzige Zahl nicht als Qualitätsmerkmal für eine Fahrradlampe gelten. Ist die Helligkeit gleichmäßig verteilt oder ein kleiner Bereich sehr hell und der Rest sehr schlecht ausgeleuchtet? Unter welchen Bedingungen wurde dieser Wert genau gemessen? Selbst wenn man einen Lumen-Wert für einen Scheinwerfer hat, ist es schwer einschätzbar, ob dieser mit der Angabe für einen weiteren Scheinwerfer vergleichbar ist.

Wie mit Herstellerangaben umgehen?

Fazit ist, dass man allein mit mit den vom Hersteller angegebenen Lux-Zahlen keine Aussage darüber erhält, wie gut ein Scheinwerfer ist. Auch wenn es oft so ist, dass ein mit 60 Lux beworbener Fahrradscheinwerfer besser ist als ein mit 20 Lux beworbener: der Zusammenhang, je höher die Lux-Zahl desto mehr Licht, gilt so leider nicht.

Meine Empfehlung bezüglich den Herstellerangaben bezüglich Lux und Lumen lautet: Ignorieren Sie alle Lux und Lumen-Angaben bei der Kaufentscheidung!. Denn leider liefern sie keinen Anhaltspunkt dazu, wie gut eine Fahrradlampe ist.

Stattdessen kann ich nur empfehlen: Fahrradbeleuchtung selbst ausprobieren und vergleichen (z.B. bei Bekannten). Oder auch die Lichtvergleichsfotos in den Tests von Fahrradbeleuchtung und den Übersichten Dynamo-Scheinwerfer und Akku-Scheinwerfer zur Hilfe nehmen (auch wenn solche Fotos auch nicht immer leicht zu interpretieren sind).

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Kommentare [8]

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— dr.stang · 11. Januar 2017, 15:58 · #

erklärung ist erschöpfend!
konnte mir ein fachvrkäufer im handel nicht geben

— Kenny · 4. Januar 2016, 22:58 · #

Theoretisch kann man STVZO zugelassene Leuchten bzw. Scheinwerfer über 1000 Lumen schon verwenden. Leider gibt es nicht viele Hersteller die offiziell diese Lumen-Angaben auch vertrauenswürdig veröffentlichen. Persönlich fällt mir gerade nur die Firma Supernova ein. Der Supernova “E3Pure3” hat lt. Hersteller 205 Lumen. Gemessen wurden (in einem Forum veröffentlicht) unter Laborbedingungen etwa 65 Lux auf die geforderte Fläche in 10 Meter Entfernung.

B&M hat jetzt einen zugelassenen Dynamoscheinwerfer (IQ-X) mit 100 Lux auf den Markt gebracht. Leider schweigt sich auch diese Firma über den Lichtstrom aus.
Bei Betrachtung des Lichtbildes auf deren Homepage > http://www.bumm.de/de/innovation-original/lichtvergleich-scheinwerfer.html
stellt sich eigentlich die Frage von 1000 Lumen nicht mehr. Für den öffentlichen Straßenverkehr ist dieser IQ-X ausreichend!
Werde mir dieses Teil demnächst fürs Winterprojekt-Tourenrad zulegen und hier berichten.

— Julian · 4. Januar 2016, 16:07 · #

@Jürgen
Wie kommst du darauf das 1000++ Lumen nicht zulässig sind? Meines Wissens gibt es lediglich ein Minimum von 10Lux 10m senkrecht vor dem Fahrrad als gesetzlichen Wert. Es gibt weitere Einschränkung, wie bereits erwähnt, nicht rotationssymetisch, Mindestbreite, max. Leuchthöhe, usw. aber diese sind alle unabhängig vom Lichtstrom. Mit der richtigen Optik, die den Forderungen entspricht, darf man auch Lampen mit weit mehr als 1000 Lumen verwenden.

— Jürgen · 2. Januar 2016, 21:30 · #

Eine weitere Einschränkung betrifft die StVZO-konforme Abstrahlcharakteristik, wonach der Lichtkegel nicht rotationssymmetrisch und abgeblendet sein muss. Aus Fahrersicht sind LED-Leuchten mit 1000++ Lumen natürlich großartig, aber leider im Bereich der StVO nicht zulässig. Ich benutze daher zwei Lampen am Lenker, je nach Einsatzzweck.

— M3o · 24. November 2015, 13:18 · #

@MWestphalen schau dir mal den VARTA Taschenlampe Indestructible 1 Watt LED Light 2 AA an ..
Den hab ich mir zugelegt und an meinen lenker gebaut :) sehr sehr hell das ding und ziemlich “klein” für die leistung. 100Lumen 1 Watt ;)

Die Post´´s sind zwar älter aber wer noch die info brauch bitte .

— mm · 16. Oktober 2015, 11:53 · #

genau!

— MaLifo · 25. August 2015, 22:02 · #

100 Lumen/Watt ist für einfache LED’s nicht zu schaffen. Das ist eher der Bereich für COB-LED’s. Realistischer wären 60-70 lm/W.

— MWestphalen · 2. Juli 2015, 20:43 · #

In diesem Artikel steckt viel Licht, aber auch ein wenig Schatten.
MEn ist die Erklärung von Lux und Lumen gut gelungen, die Schlussfolgerung kann ich jedoch gar nicht unterstützen. Die Angabe Lumen ist eine Aussage zum Gesamtlichtstrom und der erste Schritt zu ausreichend Licht. Eine 2,4W Glühlampe schafft nicht mehr als 20-25 Lumen. Auch fehlt mir die Angabe/Forderung der Lichtausbeute, schließlich muss ich jedes Watt aufgrund der Dynamoeffizienz doppelt erstrampeln. Das einzig nicht klassifizierte ist die Lichtverteilung. Dabei könnte man diese ähnlich wie die Blickwinkelstabilität von Monitoren als Farbverlaufsbild angeben.

Auf meinem Wunschzettel steht jedenfalls derzeit so etwas wie ein Fahrradscheinwerfer mit min. 100 Lumen bei max. 1 Watt Energieaufnahme und einer guten Lichtverteilung. Technisch liegt das im Bereich des Machbaren, gefunden habe ich ihn aber noch nicht.